Weltbank, Währungsfonds und Vereinte Nationen planen Flüchtlingsanleihen

Die Flüchtlingskrise mit Investitionen beenden?

12.10.2015

Rund 60 Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht vor Krieg und Armut. Weltbank, Internationaler Währungsfonds und Vereinte Nationen haben ein neues Konzept zur Lösung der Flüchtlingskrise: private Flüchtlingsanleihen. Doch was ist darunter eigentlich genau zu verstehen?

Unterstützung für Krisenländer

Der Libanon und Jordanien tragen einen Großteil der Last: als Nachbarn des Bürgerkriegslandes Syrien suchen hier hunderttausende Flüchtlinge Schutz. Um diese Last einzudämmen, planen der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Vereinten Nationen nun Anleihen.

Diese sogenannten „Flüchtlingsanleihen“ sollen demnach zwei konkreten Projekten zugutekommen. Zum einen sollen Gelder der Geberländer, wie beispielsweise Deutschland, in direkt betroffene Krisenländer fließen: allen voran Syrien. Dort sollen sie helfen, den Wiederaufbau voranzutreiben und die Flüchtlingshilfe auszuweiten. Zum anderen sollen die Nachbarländer wie der Libanon oder Jordanien unterstützt werden – denn die müssen besonders viele Flüchtlinge aufnehmen.

Globale Flüchtlingskrise

Dass internationale Geldgeber und die Vereinten Nationen hier gemeinsam einspringen, zeigt, dass der Konflikt durch Alleingänge nicht mehr zu lösen ist. Neben den gewaltigen Massen an Menschen, die täglich in Europa ankommen, leben derzeit immer noch Millionen in provisorischen Flüchtlingsunterkünften. Vor allem im nun anstehenden Winter stellt dies eine unzumutbare Situation dar.

Schätzungsweise 90 Prozent der weltweiten Flüchtlinge bewegen sich innerhalb von Entwicklungsländern oder zwischen Entwicklungs- und Schwellenländern. – Dr. Benjamin Schraven, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik

Langfristig sollen die Flüchtlingsanleihen vor allem die Entwicklungshilfe vor Ort unterstützen. Aber auch die konkreten Ursachen für die Flucht vieler Menschen sollen damit möglichst an der Wurzel gepackt werden. Der Wiederaufbau von Infrastruktur, insbesondere in Syrien, steht dabei an oberster Stelle.

Entscheidende Impulse müssen von lokalen Eliten in den betroffenen Ländern selber kommen. – Dr. Benjamin Schraven

Unklar ist bisher, woher das Geld genau kommen soll. Geberländer können vor allem die Industriestaaten sein, ein endgültiges Konzept soll aber erst im Februar kommenden Jahres verkündet werden.

Über die geplante Konzeption zu Flüchtlingsanleihen hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Dr. Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik gesprochen.

Schraven_110716_003_aIch fürchte, dass Entwicklungspolitik hier nur unterstützend wirken kann.Dr. Benjamin Schraven hält die Flüchtlingskrise für eine globale Aufgabe. Foto: Deutsches Institut für Entwicklungspolitik 

Redaktion: Mirjam Ratmann