Der Wirtschaftsfaktor Amateursport

Erkenntnisse vom Iron Man

16.06.2016

Millionen Deutsche betreiben leidenschaftlich Amateursport. Für Unternehmen ist es wachsender Markt mit Milliardenumsätzen. Wie verändert sich der Amateursport dadurch? Ein Hobby-Triathlet über seine Erkenntnisse.

Triathlon für Angeber

25 Millionen Deutsche betreiben regelmäßig Freizeitsport. Die einen bolzen am Wochenende in der Theken-Mannschaft, die anderen versuchen sich als Hobbyprofis. Inklusive Trainings- und Ernährungsplan, Profiausstattung und regelmäßigen Teilnahmen an Wettbewerben.

Besonders beliebt sind Ausdauersportarten. Marathon- und Triathlonveranstaltungen finden in den warmen Monaten mehrmals wöchentlich statt. Die ganz ambitionierten versuchen sich noch eine Stufe höher. Der Iron Man gilt als einer der härtesten Wettbewerbe für Amateure.

3,86 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und dann einen Marathon rennen, das umfasst der ultimative Selbsttest. Erstmals ausgetragen wurde er 1978 von fünf Amateursportlern auf Hawaii. Seitdem hat sich der Wettbewerb zu einer globalen Marke entwickelt.

Mit solchen Motivationsvideos werben die Veranstalter für den jährlichen Wettbewerb auf Hawaii. Mittlerweile gibt es in vielen Ländern lokale Ableger.

Profitables Geschäft mit den Amateuren

Auch die Sportartikelhersteller profitieren von der Professionalisierung des Amateursports. So setzten Adidas, Nike und Co. im Jahr 2014 weltweit mehr als 60 Milliarden Euro um. Einen Großteil davon mit der Ausstattung für Amateure.

Ganz vorne mit dabei sind die Deutschen. Vom Laufschuh über das Carbonrad bis zu GPS-Trackern kaufen die hiesigen Amateure fast alles, was die Hersteller auf den Markt werfen. Auch Dienstleister und App-Hersteller profitieren vom Selbstanspruch der Amateure.

Die Deutschen sind immer sehr gut ausgestattet: Ob sie Wandern, ob sie Gärtnern oder mit ihrem E-Bike am Wochenende unterwegs sind. Wir sind Ausstattungsweltmeister. – WirtschaftsWoche-Redakteur Thorsten Firlus-Emmrich

Der gläserne Beitragszahler

Und der Trend verändert mittlerweile die gesamte Gesellschaft. Denn den Freizeit-Profis gegenüber stehen 30 Millionen Deutsche, die sich nie sportlich betätigen. Und so setzen Versicherungen mittlerweile auf preiswerte Tarife für gesund lebende Menschen. Sie müssen sich dafür per App selbst tracken.

Was nach einem positiven Ansporn klingt, löst bei Verbraucher- und Datenschützern Albträume aus. So könnten die Versicherungen das Selbsttracking irgendwann zur Pflicht erheben. Und damit würde die Beitragszahler zwangsweise durchanalysiert und für Nichtbewegung bestraft.

Wenn wir jedes Lebensrisiko individualisieren und aus der Gemeinschaft rausnehmen wollen, dann wird das Modell der Krankenkasse ab absurdum geführt. – Thorsten Firlus-Emmrich

Über den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Amateursport und die Selbsterkenntnis des Freizeitprofis hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Thorsten Firlus-Emmrich gesprochen. Er hat selbst an vier Iron Man teilgenommen und bloggt für die WirtschaftsWoche über seine Erfahrungen.

Thorsten Firlus-Emmrich-privatMein erster Triathlon war in einer ganz normalen Badehose, mit meinem Rennrad, das ich schon lange habe und irgendwelchen Laufschuhen.Thorsten Firlus-EmmrichDer Hobby-Triathlet glaubt, dass Sport auch ohne das ganze Brimborium drumherum funktionieren kann.