Zigaretten | Schockbilder auf Kippenschachteln

Heilsamer Schock oder Unsinn?

20.05.2016

Auf Zigarettenschachteln müssen ab heute Schockbilder abgedruckt werden. Die Bilder sollen das Rauchen weniger attraktiv machen. Für Raucher gibt es längst schöne Hüllen, damit man die unschönen Bilder nicht ertragen muss. Entsteht hier ein neuer Wirtschaftszweig?

Zwei Drittel Schockbilder

Ab heute sind auf Zigarettenpackungen Schockbilder abgedruckt. Damit kommt Deutschland einer EU-Richtlinie nach, die das Design von Zigarettenschachteln reglementiert. Demnach sollen 65 Prozent der Schachtelfläche von einem dieser sogenannten Schockbilder eingenommen werden. Aus einem Bilderpool muss der Verpackungshersteller in wechselnder Reihenfolge Bilder von Raucherbeinen, ramponierten Lungen oder schwarzen Zahnstummeln abbilden.

Wenngleich immer wieder Zweifel an der Wirkung angemeldet werden, gilt der Erfolg der abschreckenden Bilder als bewiesen. Trotzdem polarisiert das Thema immerhin funktioniert es vor allem auf emotionaler Ebene. Viele Raucher haben das Gefühl, dass ihnen das Rauchen vermiest werden soll. Immerhin sind sich viele der Schädlichkeit ihres Lasters bewusst und entscheiden sich dennoch dafür, weiterzumachen. Einige fühlen sich bevormundet.

Der Markt schläft nicht

Genau hier setzen Unternehmen an, die aus der neuen Regel Profit schlagen wollen. Um die streng vorgeschriebenen Reglements zu umgehen, werden beispielsweise Silikonhülsen angeboten, welche die Schockbilder verbergen sollen. Für ungefähr zehn Euro kann sich der Raucher mit einem kecken Spruch oder einem flippigen Motiv eine individualistische Verpackung kaufen.

Schaut man sich das Angebot von Zigaretten-Boxen oder Gestaltungsapps zum Selbstausdrucken an, wird offensichtlich: Hier handelt es sich um Lifestyleprodukte, die vor allem junge Raucher ansprechen sollen. Gerade die sollen aber durch die EU-Regeln vor dem Rauchen geschützt werden. Der Markt findet offenbar eine eigene Antwort, mit der sich offensichtlich Geld verdienen lässt.

Das Publikum ist relativ jung. Das sind Leute zwischen 18 und 40 Jahren. – Peter Göbel der Firma zibox, Hersteller von Zigarettenboxen

detektor.fm-Moderatorin Anke Werner hat mit einem Unternehmer gesprochen, dem die neuen Regeln in die Hände spielen könnten. Peter Göbel von der Firma zibox, Hersteller von Silikonboxen für Zigarettenschachteln, über den wachsenden Markt und moralische Verantwortung.

Peter GöbelIch glaube, es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen Eigenverantwortung und Bevormundung.Peter Göbelvon der Firma zibox, Zigarettenbox-Vertreiber.