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Ina Fassbender / AFP.
Bild: Ina Fassbender | AFP

Zurück zum Thema | Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie

„Moderne Lohnsklaverei“

In den Schlachtbetrieben häufen sich die Zahlen der Covid-19-Fälle. Das liegt vor allem am schlechten Arbeitsschutz. Aber wie steht es um die Arbeitsbedingungen denn nun genau?

Arbeitsschutz in der Fleischindustrie

Seitdem in mehreren Betrieben Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden ist, stehen immer mehr Fließbänder in der Fleischindustrie still. Die vermehrten Erkrankungen werfen erneut ein Licht auf die prekären Arbeitsbedingungen innerhalb der verarbeitenden Lebensmittelindustrie. Körperlich anstrengende Arbeit, vergleichsweise wenig Lohn und dazu kaum Pausen. Hier müsste eigentlich der Arbeitsschutz eingreifen – tut er aber nicht. Warum?

Sowas muss kontrolliert und hart bestraft werden. Wir können doch nicht zulassen, dass wir im 21. Jahrhundert die Verhältnisse von moderner Lohnsklaverei haben.

Ralf Stegner, SPD

Ralf Stegner, SPDFoto: Susie Knoll

Möglichst viel, möglichst billig

Das ist das Ziel der Fleischindustrie. Das liegt auch am ständigen Preisdruck der Branche. Denn obwohl viele Deutsche in Umfragen angeben, gerne mehr für Fleisch auszugeben, sprechen die Kassenbons eine andere Sprache. Nach wie vor wird lieber zum billigen Fleisch gegriffen. Dieser beständige Druck endet in einem unbändigen Konkurrenzkampf der Schlachthöfe um die Abnehmer – und dieser Preiskampf wird letztlich auf dem Rücken der Arbeitskräfte ausgetragen.

Geiz ist geil: wir kaufen uns den teuersten Grill und packen die billigste Wurst oben drauf.

Jonas Bohl, Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten

Jonas Bohl, Gewerkschaft Nahrung - Genuss - GaststättenFoto: Uwe Voelkner

Seit Jahren ist der Arbeitsschutz in der verarbeitenden Lebensmittelindustrie immer wieder Thema, es ändert sich aber nur wenig. Ob die Coronakrise nun den benötigten Anstoß bringt? Für eine dauerhafte Verbesserung der Situation wären grundlegende Veränderungen nötig. Solange die Konsumenten aber nicht bereit sind, mehr für Lebensmittel zu zahlen, dürften diese Änderungen schwer umzusetzen sein.

Über die Arbeitnehmersituation in Großschlachtbetrieben unterhält sich detektor.fm-Moderatorin Maureen Walter mit Jonas Bohl von der Gewerkschaft „Nahrung – Genuss – Gaststätten“. Welche politischen Weichen gestellt werden müssen, um einen angemessenen Arbeitsschutz durchsetzen zu können, erklärt Ralf Stegner von der SPD.