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Prof. Dr. Anne Schaefer. Foto: MPI für Biologie des Alterns
Bild: Prof. Dr. Anne Schaefer | MPI für Biologie des Alterns

Ach, Mensch! | Anne Schaefer

Was lässt unser Gehirn altern, Anne Schaefer?

Mikrogliazellen gelten heute als wichtige Vermittler zwischen Immunsystem und Gehirn und könnten erklären, warum Entzündungen, Infektionen und Alterungsprozesse so eng miteinander verbunden sind.

Die Immunzellen des Gehirns

Unser Gehirn begleitet uns ein Leben lang: Es speichert Erinnerungen, ermöglicht uns zu lernen und hilft uns dabei, die Welt zu verstehen. Doch auch das Gehirn verändert sich mit zunehmendem Alter: Die Verbindungen zwischen Nervenzellen etwa werden schwächer oder langsamer. Besonders betroffen sind dabei bestimmte Gehirnregionen, die unter anderem an Gedächtnisprozessen beteiligt sind.

Lange konzentrierte sich die Hirn- und Altersforschung vor allem auf die Nervenzellen. Mittlerweile stehen die Mikrogliazellen im Vordergrund: Sie gehören zum angeborenen Immunsystem und funktionieren wie die Fress- und Abwehrzellen des Gehirns, überwachen ihre Umgebung, erkennen mögliche Schäden und beseitigen unter anderem Zelltrümmer oder andere schädliche Substanzen.

Diese Mikroglia, die kann man schon auf den frühen Zeichnungen der Hirnforschung sehen. Schon Alois Alzheimer hat Mikroglia um die Alzheimer-Plaques gezeichnet, ohne zu dem Zeitpunkt zu wissen, was sie eigentlich sind.

Prof. Dr. Anne Schaefer, MPI für Biologie des Alterns

Prof. Dr. Anne Schaefer, MPI für Biologie des AlternsMPI für Biologie des Alterns

Wenn das System kippt

Anne Schaefer ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln und untersucht, warum diese Schutzfunktion der Mikrogliazellen im Alter auch zum Problem werden kann. Denn Mikroglia können verschiedene Aktivitätszustände einnehmen und chronisch aktiviert bleiben, im Körper also anhaltende Entzündungszustände auslösen. Schäfer erforscht dabei auch, welche Rolle Mikroglia bei neurodegenerativen Erkrankungen spielen. Besonders interessant ist dabei ihr Zusammenhang mit Alzheimer: Bestimmte genetische Veränderungen in Mikroglia können das Risiko für eine altersbedingte Alzheimer-Erkrankung erhöhen.

Auch bei Long-Covid spielen Mikroglia eine Rolle. Eine Entzündungsreaktion, die ursprünglich beispielsweise durch eine Infektion der Lunge ausgelöst wurde, kann über Botenstoffe das Gehirn erreichen und dort die Mikroglia aktivieren. Schaefer untersucht, wie solche lang anhaltenden Entzündungszustände entstehen — und warum das Gehirn manchmal so lange in einer Art Krankheitsmodus bleibt, obwohl die eigentliche Infektion längst vorbei ist.

In dieser Folge von „Ach, Mensch!“ erzählt Prof. Dr. Anne Schaefer auch von ihrem wissenschaftlichen Werdegang, ihrer Zeit in New York und ihrer eigenen Faustregel, um im Alter fit zu bleiben.

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