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Holger Schulz / NABU: Illegalen Vogelfang stoppen!

Ägypten: Illegaler Vogelfang

Vogelmorde im Millionenbereich

Auf dem Weg in den Süden sterben Millionen Zugvögel in Fangnetzen. Insgesamt 700 Kilometer dieser Netze sind entlang der ägyptischen Mittelmeerküste gespannt. Die Tiere werden gefangen und landen dann auf dem Teller. Viele Zugvögel sind in Ägypten als Delikatesse sehr begehrt.

Viele Zugvögel kommen nie an

Über 50 Milliarden Vögel begeben sich jedes Jahr auf Wanderschaft. Wenn es bei uns im Norden kalt wird, fliegen sie zum Überwintern ins Warme. Den Weg in den Süden finden die Zugvögel ohne Probleme. Im Frühjahr fliegen sie dann wieder zurück. Das kann ihnen jedoch gerade an den Mittelmeerküsten zum Verhängnis werden. Zugvögel werden im Mittelmeerraum auf verschiedene Weise gefangen und als Delikatesse verkauft beziehungsweise gleich gegessen. Der illegale Vogelfang ist ein lukratives Geschäft. Die Beschaffung der kostbaren Ware ist dabei ziemlich simpel.

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700 km Fangnetze

Oft werden Netze entlang der Mittelmeerküste gespannt. Diese müssen dabei nicht einmal hoch sein. Geschwächt von der langen Reise übers Meer, setzen Zugvögel zur Landung an, sobald sie den Strand erblicken. Die dünnmaschigen Fallen können sie dabei kaum sehen. Die größten Anlagen dieser Art steht an der ägyptischen Mittelmeerküste. Fast 700 km Netz spannen sich zwischen dem Gaza-Streifen im Osten bis zur libyschen Grenze im Westen. Dabei gelangen nicht nur die begehrten Wachteln in die Netze, sondern auch Singvogelarten, die hierzulande unter Naturschutz stehen.

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Tierethisch fragwürdig

Fliegen die Delikatessen einmal zu hoch für die Fangnetze, helfen Lockrufe aus riesigen Lautsprechern, die Vögel zu Boden zu bringen. Die trickreichen Methoden der Vogelfänger sind dabei aus Sicht von Umweltschützern nicht nur tierethisch fragwürdig. Jedes Jahr verschwinden demnach allein in Ägypten zwölf Millionen Tiere.

Hohe Fangzahlen können laut Umweltaktivisten den europäischen Bestand an Vogelarten bedrohen. So gehen 70 Prozent der gefangenen Tiere allein an Ägyptens Küsten illegal ins Netz. Legal erlaubt ist eigentlich nur noch der Fang von Wachteln. Bei anderen Arten handelt es sich, so wie in der EU, um Wilderei. Doch Gesetze helfen bislang offenbar wenig.

Laut der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten, die auch Ägypten unterschrieben hat, ist der Fang von Vögeln mit Netzen grundsätzlich verboten. – Lars Lachman, Vogelexperte der Naturschutzorganisation NABU

Welche Ausmaße illegaler Vogelfang unter anderem in Ägypten hat und was dagegen getan werden kann, hat Lars Lachmann erzählt. Er ist Vogelexperte des Naturschutzbundes Deutschland und hat mit detektor.fm-Moderator Lucas Kreling gesprochen.

Lars Lachmann - ist Vogelexperte beim Naturschutzbund Deutschland. Foto: (c) NABU / Eric Neuling

ist Vogelexperte beim Naturschutzbund Deutschland. Foto: (c) NABU / Eric Neuling
Viele dieser Vögel werden sogar ins Ausland verkauft. Da gibt es anscheinend einen sehr großen Markt in den Golfstaaten. Die Vögel werden also auch noch illegal exportiert.Lars Lachmann

Redaktion: Laura Pientka und Charlotte Muijs

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