Akademik Lomonossow: Kernkraftwerk im Polarmeer

Schwimmende Atomkraft

30.08.2019

Ein Atomkraftwerk auf dem Meer, kann das eine gute Idee sein? Die russische Regierung jedenfalls schickt ein schwimmendes Atomkraftwerk nach Ostsibirien. Dort soll es die Stormversorgung einer bodenschatzreichen Region sichern.

Prestigeprojekt Kernkraftwerk

Die „Akademik Lomonossow“ ist derzeit im Nordpolarmeer unterwegs. Ziel der Reise ist Pewek, eine Kleinstadt im Nordosten von Sibirien. Das ist deswegen etwas Besonderes, weil auf dem Schiff ein Atomkraftwerk integriert ist.

Aktuell wird die Stadt und die Region rund um Pewek  von einem kleinen, veralteten Atomkraftwerk versorgt. Doch dort macht der Klimawandel sich bemerkbar: Der Permafrostboden taut langsam auf, bald wird der Untergrund des Atomkraftwerks kein fester Boden mehr sein. Das ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Daher wird das Kraftwerk 2021 abgeschaltet. Die Energieversorgung soll dann das schwimmende Kraftwerk übernehmen. Neben der Stadt soll das AKW auch Ölplattformen in die Nähe versorgen sowie Fernwärme in andere Regionen liefern. Geplant sind 40 Jahre Laufzeit.

Vorbote einer neuen Ära?

Russland möchte mit den beweglichen Atomkraftwerken seine Energieversorgung neu aufstellen. Wenn die „Akademik Lomonossow“ ihre Aufgabe gut erfüllt, werden ihr weitere Schiffe folgen. Die nächste Generation schwimmender Kernkraftwerke  soll schon bald starten.

Es ist weltweit eine Tendenz, kleine Kraftwerke in Gebieten zu installieren, wo sich große Kraftwerke nicht lohnen. – Manfred Mertins, Professor für Security Management, TU Brandenburg

Doch auch außerhalb des hohen Nordens könnten solche Energiewerke eine Zukunft haben: Der Sudan hat schon Interesse angemeldet, Südostasiatische Staaten gelten ebenfalls als potentielle Käufer. Die Großmacht China möchte selbst ein Kernkraftwerk auf einem Schiff bauen.

Über die Sicherheit des schwimmenden Kraftwerks in der Arktis und die Gefahren für Mensch und Umwelt hat detektor.fm-Moderatorin Lara-Lena Goedde mit Manfred Mertins gesprochen. Er ist Professor für Security Management an der TU Brandenburg.

Die Kernreaktoren sollen hier für die Stromerzeugung für zivile Anwendung genutzt werden. Insofern gibt es bereits so etwas. Es wird bereits praktiziert, das Atomreaktoren auf Eisbrechern in Betrieb sind.Manfred Mertinsbetreibt eine Beratungsfirma zur Sicherheit kerntechnischer Anlagen. 

Redaktion: Jonas Dietz