Scott Kelly beendet Ein-Jahres-Mission im All | detektor.fm

Ein Jahr auf der ISS – Ein Schritt näher am Mars

02.03.2016

Ein Jahr lang waren Scott Kelly und Mikhail Kornienko auf der Internationalen Raumstation, nun sind sie zurück. Die Forscher und Raumfahrer erhoffen sich durch diese lange Mission Erkenntnisse, die eines Tages eine Reise zum Mars ermöglichen sollen.

Einen Schritt in Richtung Mars

Mit der heutigen Rückkehr der Astronauten Scott Kelly und Mikhail Kornienko ist man der bemannten Marsmission einen Schritt nähergekommen. Denn es reicht nicht, ein Raumschiff zu haben, das die Menschen zum Mars bringt. Die Raumfahrer müssen die Reise auch gut überstehen können. Was passiert mit einem Menschen, der Jahre ohne oder nur in verminderter Schwerkraft verbringt? Um diese Frage besser beantworten zu können, verbrachten die beiden Kosmonauten nun knapp ein Jahr auf der ISS.

Scott Kelly und sein Schrebergarten im All

Was macht man aber ein Jahr auf der ISS? Scott Kelly hat die Zeit genutzt und seinen grünen Daumen entdeckt. Im August konnten er und sein Astronauten-Kollege Kjell Lindgren den ersten Salat auf der ISS ernten und haben ihn auch sogleich verspeist. Es ist das erste Mal, dass Astronauten selbst angebaute Pflanzen im Weltall essen konnten.

Neben Salatsamen haben die Forscher aber auch Zinniensamen auf die ISS hochgeschickt. Zinnien kann man zwar nicht essen, sehen aber schön aus. Kelly konnte die Blumen sogar durch beherzte Eigeninitiative und unter Missachtung der NASA-Richtlinien vor Schimmel retten.


Natürlich ging es bei der Mission nicht nur um Salat und Blumen. Der Fokus der Mission lag auf den Astronauten selbst und wie sich ihr Körper während der langen Zeit im Orbit verändert.

Die entscheidenden Fragen stellen sich in den Bereichen Knochen-Demineralisierung, Muskelatrophie. Es gibt noch andere Effekte, die mit der Regulierung des Blutdrucks und Kreislaufs zusammenhängen, die Menge der Strahlung, die man aufnimmt. Stellt sich da irgendwann mal ein Gleichgewicht im Körper ein? Das war bei den Missionen, die bisher ein halbes Jahr gingen, nicht zu erkennen. – Thomas Reiter, ehemaliger ESA-Astronaut

Ein Grund für die Auswahl von Scott Kelly war auch sein Zwillingsbruder Marc. Dieser ist auch Astronaut, blieb aber für das vergangene Jahr auf der Erde. Dadurch erhoffen sich die Wissenschaftler, die Veränderungen besser vergleichen zu können.

Welche Erkenntnisse die Ein-Jahres-Mission für zukünftige Reisen ins All bringt, darüber hat detektor.fm-Moderator Alexander Hertel mit Thomas Reiter gesprochen. Er ist ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt und robotische Exploration.

ESA-Direktor_Thomas-Reiter_J.MaiFür mich persönlich ist die Perspektive, zu unserem Nachbarplaneten zu fliegen und vielleicht die Möglichkeit zu haben, mit eigenen Füßen auf der Oberfläche eines anderen Planeten zu stehen, so faszinierend und so motivierend, dass man sicherlich die Härten bei einer so langen Reisezeit in Kauf nehmen kann.Thomas ReiterESA-Direktor für bemannte Raumfahrt und robotische Exploration. 

Redaktion: Christopher van der Meyen