Verhütung mit dem Bimek SLV: Spermienstopp per Schalter?

Verhütung demnächst nur noch Männersache?

02.08.2016

Clemens Bimek hat ein Ventil erfunden, das zwischen die Samenleiter des Mannes gesetzt wird. Per Schalter kann der Mann damit selbst bestimmen, ob er fruchtbar ist oder nicht. Könnte das die Verhütung revolutionieren?

Ein halbstündiger operativer Eingriff, ein Leben lang Entscheidungsfreiheit – das verspricht zumindest der Erfinder und erste Proband des Produkts: Clemens Bimek.

Verhütungsmethoden für Frauen

Manche werden vielleicht protestieren, aber wenn man ehrlich ist, ist Verhütung notgedrungen meist Frauensache. Neben dem Kondom als Klassiker gibt es heute ein umfangreiches Repertoire an Verhütungsmethoden oder -produkten. Meistens sind die allerdings Produkte für Frauen.

Der Großteil der erhältlichen Präparate ist hormonbasiert, sei es die Pille oder der Verhütungsring. Ob nun über die gesamte Blutbahn oder lokal durch die Ausschüttung von Hormonen in der Gebärmutter: Diese Hilfsmittel verändern den natürlichen Hormonhaushalt der Frau. Die Nebenwirkungen sind von Frau zu Frau verschieden, die Umwelteinwirkungen, die von solchen Präparaten ausgehen, sind jedoch alle gleich. Hormonrückstände gelangen über den Urin ins Wasser und Kläranlagen sind noch nicht in der Lage, sie aus dem Wasser zu filtern.

Bei der Kupferspirale oder Gynefix-Verhütungskette handelt es sich um hormonfreie Verhütungsmethoden: Sie funktionieren über Kupferionen, die in die Gebärmutter abgegeben werden. Über den Faden der Spirale können jedoch leicht Keime bis zur Gebärmutter gelangen, die zu schweren Entzündungen und im schlimmsten Fall auch zur Unfruchtbarkeit führen können. Risiko und Nebenwirkungen liegen bisher also vor allem auf der Frauenseite.

Die Zukunft der Verhütung in der Größe eines Gummibärchens

Das Zertrennen der beiden Samenleiter, also eine Vasektomie, ist als medizinischer Eingriff bereits bekannt. Das Einsetzen des Ventils erfolgt nach dem gleichen Prinzip und der Hoden wird nur örtlich betäubt. PEEK OPTIMA heißt das Material, aus dem das Ventil besteht: ein medizinisches Leistungspolymer, das auch häufig für Implantate anderer Art verwendet wird, also bereits erprobt ist. Ebenfalls wie bei der Vasektomie hat das Einsetzen des Ventils keinen Einfluss auf Erektion oder Ejakulation beim Mann.

Die Umlegung des Schalters funktioniert von außen über die Haut. Einen Tag bis eine Woche nach der Freischaltung des Ventils können wieder Spermien durch die Samenleiter fließen. Die Einschaltung der Blockierung ist jedoch erst wirksam nach drei bis sechs Monaten, oder nach dreißig Samenergüssen. Um sicherzugehen, dass keine Spermien mehr fließen, sollte ein Urologe aufgesucht werden.

Bevor das Bimek SLV – Kurzform für Samenleiterventil – 2018 auf den Markt kommen kann, muss es noch einige medizinische Tests durchlaufen.

Bimek SLV: Lebenslang flexibel?

Ob der Eingriff Langzeitfolgen hat, ist noch nicht abzusehen. Ob eine längere Blockade des Spermienflusses die Spermienproduktion beeinträchtigt, oder ob sich der Schalter, wenn er jahrelang nicht umgelegt wird, auf einer Position festsetzt, sind Fragen, die erst Erfahrungsberichte und Langzeitbeobachtungen klären können. Sollte sich das Bimek Samenleiterventil als Verhütungsmethode durchsetzen können, würde es den Markt für Verhütungsmittel definitiv verändern.

Ein Punkt aber bleibt sensibel: dass das Ventil zwar eine Schwangerschaft verhindern kann, vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten aber ebenso wenig schützt wie Pille und Co.

Dirk Baranek betreut das Bimek SLV Projekt und hat mit detektor.fm-Moderator Christian Eichler über die Funktion des Ventils gesprochen.

Bimek SLV schamatische DarstellungSchematische Darstellung eines Bimek SLV: Per Schalter die Fruchtbarkeit bestimmen, das verspricht das Bimek-Samenleiterventil.

Dirk Baranekerklärt das Bimek SLV.https://www.bimek.com 

Redaktion: Emely Eulig