Biodiversität: Artensterben im Eiltempo

Der Mensch lässt die Arten schneller sterben

23.06.2015

Auf der Erde ist offenbar eine sechste Welle des Massenaussterbens im Gange: Die Arten sterben demnach momentan etwa hundert Mal schneller aus als zu anderen Zeiten. Auch die Menschheit könnte zu den Opfern zählen, warnen Wissenschaftler. Wir müssten jetzt gegensteuern, sonst würde es "Millionen Jahre" dauern, bis sich die Erde eigenständig erholt.

Ein neues Massensterben beginnt

Die Dinosaurier, den Neandertaler oder den Beutelwolf hat es erwischt. In der Erdgeschichte hat es mehrere große Artensterben gegeben. Sie sind etwa durch Meteoriten oder Vulkane ausgelöst worden. Nun haben Forscher erneut versucht, das Ausmaß des Artensterbens zu berechnen. Sie kommen dabei zu einem erschreckenden Ergebnis: Der Erde droht ein neues Massenaussterben, wie es zuletzt am Ende der Dinosaurierzeit stattgefunden hat. Das sagen zumindest die Befunde amerikanischer Wissenschaftler, die in der Zeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht worden sind. Demzufolge sei das große Artensterben bereits im Gange. Die Forscher warnen, dass die sinkende Artenvielfalt auch für den Menschen gefährlich werden kann.

Aussterben ist normal

Dass Arten aussterben, ist eigentlich normal. Immer wieder verschwinden Arten von der Erde und neue Arten entstehen. Das ist ein natürlicher Prozess der Evolution. Doch manchmal fegen große Massenaussterben mehr als drei Viertel der existierenden Arten in weniger als zwei Millionen Jahren vom Planeten. Wissenschaftler zählen bisher in den vergangenen 540 Millionen Jahren fünf solcher Artensterben. Bei Massensterben geht ein großer Teil der Lebewesen in extrem kurzer Zeit zugrunde. Es braucht Millionen Jahre, bis sich die gleiche Vielfalt erneut entwickelt hat. Das letzte große Artensterben hat vor 65 Millionen Jahren stattgefunden. Damals sind die Dinosaurier und mit ihnen etwa 70 Prozent aller Arten ausgestorben.

Sechstes großes Massensterben hat begonnen

Das sechste große Massensterben auf der Erde hat bereits begonnen. Heute ist aber kein Meteorit der Grund,  sondern vielmehr der Mensch. Denn der Mensch beeinflusst die Ökosysteme der Tiere und Pflanzen rasant, großflächig und nachhaltig. Er beutet die natürlichen Ressourcen des Planeten aus, führt fremde Tierarten in abgelegene Ökosysteme ein, verschmutzt die Umwelt, rodet die Wälder und beeinflusst das Weltklima. Die immer weiter wachsende Gattung Mensch erobert die entlegensten Ecken und Winkel, in denen sich Tiere und Pflanzen bislang ungestört bewegen konnten. Nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN sind 41 Prozent aller Amphibien-Arten und 26 Prozent aller Säugetier-Arten vom Aussterben bedroht. Das gegenwärtige Problem ist also nicht, dass Arten aussterben, sondern dass derart viele Spezies auf einmal und in einer Größenordnung aussterben, wie man es bislang nur bei den fünf Massensterben der Erdgeschichte beobachtet hat.

Über die Bedrohung durch ein neues Massensterben und dessen Folgen für die Menschheit hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit Arnulf Köhncke gesprochen. Er ist Artenschutzexperte beim WWF Deutschland.

Arnulf-Koehncke-WebWir sind abhängig von natürlichen Ressourcen, die die Erde für uns bereit hält. Wenn unsere Aktivitäten dazu führen, dass immer mehr Arten verschwinden, dann geraten die natürlichen Beziehungsysteme durcheinander und es kann passieren, dass die Ökosysteme nicht mehr so funktioieren wie wir und künftige Generationen sie benötigen.Dr. Arnulf Köhnckeist Artenschutzexperte beim WWF Deutschland. 

Redaktion: Carsten Jänicke