Hoffnung für Millionen: Darmbakterien als Ursache für psychische Erkrankungen?

27.08.2013

Angstzustände, Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen: Millionen leiden unter psychischen Krankheiten. Sie werden in aller Regel mit Tabletten behandelt, manchmal ihr Leben lang. Nun haben Forscher Interessantes herausgefunden: liegt die Lösung im Magen-Darm-Trakt?

Schmetterlinge im Bauch, einen nervösen Magen, ein mulmiges Gefühl haben – womöglich bekommen diese Sätze gerade eine ganz neue Bedeutung.

Das Gehirn beeinflusst den Bauch

ist Arzt für Ernährungsmedizin in Mannheim.Heiner Krammerist Arzt für Ernährungsmedizin in Mannheim. 

Denn Stress, Kummer oder Angst können einem nicht nur auf den Magen schlagen. Womöglich geht das auch anders herum.

Die gängige Meinung von Psychologen, Neurologen und Gastroenterologen war bislang: Die Psyche bestimmt, wie es dem Bauch geht. Nicht nur im Gehirn, sondern auch im Magen-Darm-Trackt befinden sich viele Nerven. Und die sind über das Zentrale Nervensystem miteinander verbunden.

Hirn-Darm-Schranke in beide Richtungen?

Neu dabei ist nun die Vermutung, dass es auch andersherum sein könnte: Denn der Magen kann Stimmungen, Ängste, Stress und Depressionen scheinbar beeinflussen. Sogenannte Zytokine und das Protein BDNF haben einen wesentlichen Einfluss auf das Gehirn. Diese Proteine werden bei Entzündungen des Magen-Darm-Trakts ausgeschüttet und senden entsprechende Signale an das Gehirn.

Vollständig erforscht ist dieses Gebiet bislang nicht. Sollte sich die These aber bestätigen, dann könnte das sowohl im pharmazeutischen als auch medizinischen Bereich enorm viel verändern – und vielleicht sogar ganze Therapien verändern. Soweit zumindest die Hoffnung. Ist also die richtige Mischung bestimmter Darmbakterien für psychische Gesundheit mit verantwortlich?

Was genau von dieser These zu halten ist, dass erklärt Heiner Krammer, Arzt für Gastroenterologie und Ernährungsmedizin am End- und Dickdarm Zentrum Mannheim.

Der gegenwärtig Ansatz wäre ja, die Darmflora mit guten Probiotika zu beeinflussen. Da sehe ich aber noch keinen therapeutischen Ansatz. – Heiner Krammer, Arzt