Achim Haug und „Das kleine Buch von der Seele“

Über Psyche und ihre Störungen

22.03.2017

In Leipzig beginnt das große Lesen: Die Buchmesse wird eröffnet, um bis Sonntag mehr als 2.000 Neuerscheinungen zu präsentieren. Eine davon ist "Das kleine Buch von der Seele". Achim Haug, in Zürich Professor für Psychatrie, hat diesen "Reiseführer durch unsere Psyche und ihre Erkrankungen" geschrieben. Wir fragen ihn, ob wir die Seele – unser unsichtbares Organ – ernster nehmen sollten oder vielleicht oftmals zu ernst nehmen?

Unser unsichtbares Organ auf dem Prüfstand

Manchmal brennt uns förmlich etwas auf der Seele. Erleichterung macht sich breit, wenn wir uns dieses Etwas von der Seele reden. Dann lassen wir unsere Seele baumeln – um am Ende dann seelenruhig schlafen zu können.

Die Seele ist Bestandteil vieler Redewendungen und Adjektive. Sogar ein süddeutsches Weißbrotgebäck ist nach ihr benannt. Entsprechend ist sie in unserem Wortschatz fest verankert, wenngleich man bis heute nicht so ganz genau weiß, was die Seele eigentlich ist.

Der Begriff hat eine lange Geschichte und verschiedene Bedeutungen. Die Definition, die mir am nächsten liegt, ist, dass sie so etwas wie das Belebende des ganzen Menschen ist, also dass, was das Lebewesen zum Lebewesen macht. – Achim Haug, Professor für Psychiatrie und Buchautor

So alt wie die Seele sind auch die Seelenkrankheiten. Und da dieses Wort durchaus mit viel metaphysischem Ballast beschwert ist, spricht man heute eher von der Psyche.

Ob Seele oder Psyche, eine Frage bleibt: Was erkrankt da überhaupt?

Gibt es ihn, den Trend „seelische Störung“?

Denn das hat unser unsichtbares Organ mit allen anderen Organen gemeinsam: Es kann da etwas aus dem Lot geraten – und uns krank machen.

In Zeiten, in denen die Depression als Volkskrankheit gilt, Burn-out fast schon zum Trend verkommt und unter Leistungsträgern nach wie vor der Wettbewerb um das geringste Schlafpensum ausgetragen wird, rückt die Behandlung von psychischen Krankheiten immer weiter in die Mitte der Gesellschaft.

Dennoch gibt es nach wie vor zahlreiche Vorurteile – auch gegen die Psychiatrie als Fachrichtung der Medizin: nicht präzise genug soll sie sein. Es fehle an einer einheitlichen Einteilung in tatsächliche Erkrankungen oder eben gesunde Sorgen. Und Heilung im klassischen Sinne sei ohnehin nicht möglich. So lautet häufig die Kritik.

Das kleine Buch von der Seele

Achim Haug, selbst Professor für Psychiatrie, schreibt in seinem „Kleinen Buch von der Seele“ über diese medizinische Fachrichtung, das gegen sie gerichtete Misstrauen und ihre Entwicklung in den vergangenen Jahren.

Mit seinem „Reiseführer durch unsere Psyche und ihre Erkrankungen“ will er mit Vorurteilen aufräumen und medizinisches Wissen in zugänglicher und unterhaltsamer Art vermitteln.

detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer hat mit Achim Haug über dieses komplexe Thema gesprochen.

Achim HaugDiese bestimmte Art der dauernden Anspannung und des dauernden Zur-Verfügung-Stehens ist eine Form von Stress, die auch psychische Erkrankungen auslösen kann – gerade das Phänomen „Burn-out“ geht in diese Richtung. Achim Haug, Professor für Psychiatrie und Autor,will in seinem „Kleinen Buch von der Seele“ mit Vorurteilen aufräumen. Foto: © privat 

Redaktion: Vera Weber