detectiv – Die Rechercheserie | Lobbyismus im Tiefseebergbau

Gute Geschäfte auf dem Meeresboden

26.10.2017

Lobbyismus und Behördenarbeit - zwei komplett gegensätzliche Branchen? Sicher nicht. Denn wie das investigative Recherche-Netzwerk correctiv.org entdeckt hat, gibt es enge Verbindungen zwischen Bundesbehörden und einem Lobby-Verein für den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee.

Rohstoff-Abbau tief im Ozean

Unendliche Weiten, bizarre Meerestiere und geheimnisvolle Dunkelheit. So stellen sich die meisten Menschen die Tiefsee vor. An Förderungsanlagen zum Rohstoff-Abbau denken hingegen wohl die Wenigsten.

Tatsächlich sind die aber schon seit einigen Jahren im Gespräch, denn die Industrie erhofft sich einen Zugang zu Manganknollen. Diese wachsen auf dem Meeresgrund und enthalten viele wertvolle Metalle wie Kupfer und Eisen. Das Recherche-Netzwerk correctiv.org hat nun aufgedeckt, dass es enge Verbindungen zwischen dem Lobby-Verein des Tiefseebergbaus, der „Deep Sea Mining Alliance“, und deutschen Bundesbehörden gibt. Wie diese Beziehungen genau aussehen, ist allerdings nicht klar.

Deutschlands Rolle

Die Tiefsee bietet einer riesigen Artenvielfalt eine Heimat. Außerdem speichert sie einen Großteil des Kohlendioxids aus der Atmosphäre. Die Bundesregierung beteuert, dass sie die Rohstoffvorkommen „möglichst umweltschonend“ abbauen möchte. Es ist allerdings sicher, dass die Metalle bald in großem Stil gefördert werden. Deutschland besitzt bereits auf 75.000 Quadratkilometern sogenannte Explorationslizenzen von der Internationalen Meeresbodenbehörde. Das entspricht ungefähr der Größe der Republik Tschechien.

Wenn man Berichte aus den Behörden liest, bleibt kein Zweifel, dass Deutschland Rohstoffe in der Tiefsee abbaut, sobald es sich finanziell lohnt. – Tania Röttger, Reporterin von correctiv.org

Umweltschutz oder Profit?

Die technischen Möglichkeiten für den Metallabbau in der Tiefsee werden immer größer. Doch die Bergbauroboter würden riesige Sedimentwolken aufwirbeln, wodurch Umgebungen im Umkreis von mehreren hundert Kilometern geschädigt werden können. Damit würde die Lebensgrundlage von Meereslebewesen und den Bewohnern von Pazifikinseln, die größtenteils von der Fischerei leben, bedroht werden.

Der Tiefseebergbau beeinflusst die Nahrungskette der Fische und im Endeffekt auch die Nahrungskette der Menschen. – Tania Röttger

detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt hat mit Tania Röttger von correctiv.org über die Beziehungen zwischen Bundesbehörden und der Tiefseebergbau-Lobby gesprochen.

Tania RöttgerSelbst wenn Umweltbedenken von Beamten vorgetragen werden, glaube ich nicht, dass sich die Industrie davon beeinflussen lässt.Tania Röttgerarbeitet für das Recherchenetzwerk correctiv.org. 

Redaktion: Julia Rosner und Rewert Hoffer


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