Drei-Eltern-Kind: Erstmals Erbgut von drei Menschen vereint

Alles für das Kind?

29.09.2016

Was ist ein Drei-Eltern-Kind? Ein Supermensch? Nein, es ist ein Kind, das Erbgut von drei unterschiedlichen Menschen in sich vereint. Vor fünf Monaten ist so ein Baby geboren worden. Die Eltern haben damit versucht, eine schwere Erbkrankheit zu umgehen.

Wie weit würden Sie gehen, um Ihren Kinderwunsch zu erfüllen? Würden Sie sich auf ein ungetestetes Experiment einlassen? Ein jordanisches Pärchen ist diesen Schritt gegangen – und hat das erste „Drei-Eltern-Kind“ zur Welt gebracht.

Um ihre Motivation zu verstehen, muss man die Hintergrundgeschichte der Eltern kennen: Das Paar hat seit zehn Jahren versucht, ein gesundes Kind zu bekommen. Die Mutter leidet unter einer seltenen Erbkrankheit. Obwohl sie vollkommen gesund ist, haben ihre Kinder kaum Überlebenschancen. Vier Mal erlitt sie eine Fehlgeburt. Zwei Kinder brachte sie zur Welt. Das eine verstarb nach acht Monaten, das andere nach sechs Jahren.

Die Vision vom Drei-Eltern-Kind

Schließlich trat ein New-Yorker-Ärzteteam an die Eltern heran und stellte ihnen die Methode der „Drei-Eltern-Invitro-Fertilisation“ vor. Dabei wird der Teil der mütterlichen Eizelle mit dem kranken Erbgut durch das Erbgut einer gesunden Mutter ausgetauscht.

Erlaubt ist die Methode bislang nur in England. Zu wenig ist bisher über die Durchführung und die möglichen Folgen bekannt.

Die New Yorker Ärzte sind also ein hohes Risiko bei ihrem „Experiment“ eingegangen. Die Behandlung wurde deshalb auch sicherheitshalber im rechtsfreien Raum in Mexiko durchgeführt. Vor fünf Monaten feierte das Team dann den überraschenden Erfolg: Die Mutter hat einen gesunden Sohn zur Welt gebracht.

Unabsehbare Folgen für das Kind

Warum aber berichtet das Team erst jetzt von der Behandlung? Wahrscheinlich, weil man sich selbst noch nicht sicher war, ob das Kind tatsächlich vollkommen gesund und überlebensfähig ist.

Noch gibt es weltweit keine Erkenntnisse, was solch ein „Gen-Mix“ bei einem Drei-Eltern-Kind für Risiken birgt. Der nun weltberühmte kleine Junge kann sich also darauf einstellen, dass fortan seine Entwicklung millionenfach mit Argusaugen beobachtet wird.

Man weiß noch nicht genau, was diese zusätzliche DNA langfristig für ein Kind bedeuten kann. – Thomas Strowitzki, Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg

detektor.fm-Moderator Christian Eichler hat mit Thomas Strowitzki über das Drei-Eltern-Kind und die umstrittene Methode dahinter gesprochen. Er ist Ärztlicher Direktor der Abteilung Reproduktionsmedizin an der Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg.

StrowitzkiEs handelt sich hier um eine extrem seltene Krankheit. Es würde also nur ein sehr kleiner Kreis von dieser speziellen Behandlungstechnik profitieren.Thomas Strowitzkiist Ärztlicher Direktor der Abteilung Reproduktionsmedizin an der Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg. 

Redaktion: Jonathan Gruber