Earth Overshoot Day

Knietief bei der Erde im Dispo

13.08.2015

Die Menschheit hat bereits jetzt alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, welche die Erde innerhalb eines Jahres eigenständig erneuern könnte. Wir nehmen also bei der Erde einen großen Kredit auf. Leben auf Pump und das schon zum dreißigsten Mal in Folge.

Earth Overshoot Day 2015

Wir nehmen als Menschen mehr als was uns der Planet bereitstellt. Auch 23 Jahre nach der United Nations Conference on Environment and Development 1992 in Rio de Janeiro setzen wir den Raubbau am Planeten und damit auch an den kommenden Generationen weiter fort. Alljährlich wird daher von Wissenschaftlern des Think Tanks „footprintnetwork“ das Datum des „Earth Overshoot Day’s“ errechnet. Das ist der Tag, an dem unser Planet unseren ökologischen Fußabdruck nicht mehr ausgleichen kann.

Ab diesem Zeitpunkt sind die natürlichen Ressourcen erschöpft, zu deren Erneuerung die Erde ein ganzes Jahr benötigt. Alarmierend ist der Earth Overshoot Day deshalb, weil er im Kalender immer weiter nach vorne rückt. Noch vor 20 Jahren war es der 21. November. Vor zehn Jahren dann erreichte die Weltbevölkerung den Ökoschuldentag schon am 20. Oktober, nun ist bereits am 13. August das Ende der Fahnenstange erreicht, früher als es je zuvor. Die restlichen viereinhalb Monate des Jahres lebt die Menschheit damit auf Kredit.

Abbild des Raubbaus

Obwohl der Earth Overshoot Day nur eine grobe Schätzung des weltweiten Verbrauchs natürlich nachwachsender Ressourcen innerhalb einer bestimmten Zeit darstellt, ist er bisher ein gutes Hilfsmittel. Denn er schließt die Lücke zwischen dem Verbrauch an Rohstoffen und veranschaulicht die eigentliche Kapazität des Planeten. Um den weltweiten Hunger nach Rohstoffen, Ackerland, Wasser und anderen Ressourcen nachhaltig zu stillen, bräuchte die Menschheit theoretisch betrachtet inzwischen 1,5 Erden, die Tendenz steigt mit jedem Jahr– wir leben also alle als ökologische Schuldner auf Pump. Kurz: Wir treiben Raubbau an unseren Vorräten und denen unserer Kinder.

Kein Ende in Sicht

Dass es nicht geht, zwei Planeten zu verbrauchen, ist klar, haben wir doch nur eine Erde. Klimawandel, Artensterben und Wassermangel – bereits heute werden die Auswirkungen unseres Handelns mehr als deutlich. Wir verbrauchen zu viele Ressourcen, verschmutzen zu viel Wasser, überfischen die Weltmeere, verbrauchen zu viel Fleisch, roden zu viele Wälder, produzieren zu viel Kohlendioxid. Nicht erneuerbare Ressourcen und Rohstoffe wie Öl, Gas, Metalle und Mineralien werden immer knapper. Ein Ende dieser Entwicklung ist allerdings bisher nicht abzusehen. Auch das zeigt das jährliche Vorrücken des Ökoschuldentags. Geht die Entwicklung so weiter, brauchen wir bis 2050 schon fast drei Planeten, um den Bedarf der Menschheit zu decken.

Die Höhe des Kredits steigt, aber kann man diesen jemals zurückzahlen? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit Dr. Rolf Buschmann gesprochen.  Er ist Experte für Ressourcenschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

rolf buschmann 007Wir müssen umdenken, wir müssen ein anderes Konsumbewußtsein erarbeiten und wirklich daran arbeiten, wirklich weniger Ressourcen zu verbrauchen.Dr. Rolf Buschmann meint, dass das Gleichgewicht wiederhergestellt werden kann, wenn wir anfangen umzudenken.  

Redaktion: Carsten Jänicke