Diabetes-Tattoo zur Blutzuckermessung

Helfer auf der Haut

14.06.2017

Im Alltag mit Diabetes ist das ständige Messen des Blutzuckerspiegels überlebensnotwendig. Könnte das jetzt einfacher werden? In den USA wurde ein neuer elektronischer Sensor entwickelt. Was kann das sogenannte Diabetes-Tattoo - und was nicht?

Volkskrankheit Diabetes

In Deutschland ist Diabetes mit derzeit etwa sieben Millionen Betroffenen eine wahre Volkskrankheit. Jeden Tag gibt es angeblich fast 1.000 Neuerkrankungen. Ein großer Teil dieser Menschen ist im Zusammenhang mit einer Insulintherapie auf die regelmäßige Messung ihres Blutzuckerspiegels angewiesen.

Die Blutzuckerselbstkontrolle ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Diabetestherapie. Leider schränkt sie das tägliche Leben vieler Erkrankter erheblich ein. Besonders Kinder, die an Diabetes Typ I erkrankt sind, leiden unter der Therapie, die ihren gesamten Tagesablauf bestimmt.

Zum Glück hat die Forschung den Alltag mit Diabetes mittlerweile für viele Menschen vereinfacht. Alternative Formen der Glucose-Messung kommen schon heute ohne den Piks in den Finger aus. Intelligente Messgeräte können die Werte durch Micronadeln messen, die sich in einer Art Pflaster befinden.

Elektronisches Diabetes-Tattoo

Doch vielleicht ist mit Mikronadeln, Piksen und Stechen bald ganz Schluss. Eine neues System nicht-invasiver Blutzuckermessung macht seit einiger Zeit Schlagzeilen. Forscher in den USA haben einen elektronischen Sensor entwickelt, der den Glucose-Wert des Blutes allein durch elektronische Spannung ermittelt.

Das sogenannte Diabetes-Tattoo misst Sodium-Ionen. Dieser anorganische Bestandteil des menschlichen Organismus kann Glucose transportieren. Diese wird dann von dem Sensor auf der Haut aufgenommen. Dabei ist die Betitelung als Tattoo vielleicht etwas missverständlich. Ein Vergleich mit den Abzieh-Tattoos, die manche noch aus ihrer Kindheit kennen, ist treffender.

Die Entwicklung des elektronischen Tattoos wird schon als Revolution in der medizinischen Diagnostik gefeiert. Sollte die Weiterentwicklung zur Glucosemessung massentauglich werden, würde das viele Erkrankte entlasten.

Ich möchte aber auch etwas Kritisches sagen, was auch immer wieder von Patienten und Ärzten diskutiert wird. Es ist natürlich so, dass wir hier dann eine Körperfunktion, die eigentlich unbewusst ist, ständig messen und uns ständig damit befassen. Da muss noch der Umgang damit gelernt werden. – Diabetologe Andreas Fritsche vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung

Was das Diabetes-Tattoo kann und ob es die Behandlung von Diabetikern wirklich revolutionieren wird, erklärt Prof. Andreas Fritsche im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert. Er ist Diabetologe und lehrt am Universitätsklinikum in Tübingen.

IDM, Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen, frei, alle Nutzungsrechte bei Helmholtz Zentrum MünchenSo im normalen, täglichen, unkomplizierten Tagesablauf mag so eine Technik funktionieren. Aber auf Reisen, in besonderen Situationen, wo ich ganz sicher sein muss, wie hoch mein Blutzucker ist, da sehe ich noch große Probleme. Andreas Fritschelehrt am Universitätsklinikum Tübingen und arbeitet am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung. 

Redaktion: Charlotte Muijs