EU-Komission: Klonfleisch zum Essen freigeben

Essen wir schon jetzt Klonfleisch?

18.09.2015

In den USA ist es fast schon gang und gäbe: Fleisch und Produkte von geklonten Tieren. In der EU ist das strikt verboten. Allerdings werden in Europa bereits Produkte der Nachkommen von geklonten Tieren verkauft. Essen wir also vielleicht bereits Klonfleisch?

Chlorhühner und Klonfleisch. Das sind für viele Gegner des Freihandelsabkommens TTIP  die großen Schreckgespenster. Immerhin klonen die Amerikaner seit Jahren Tiere im Labor und für Zuchtzwecke. In der EU ist das bisher auf Ablehnung gestoßen. Nun will die EU-Komisson Klonfleisch zulassen. Das Parlament ist allerdings dagegen.

Die Nachkommen von Klontieren

Der Verkauf von Fleisch und anderen Produkten aus den folgenden Generationen von geklonten Tieren ist in Europa nicht verboten. Es werden bereits Eizellen, Sperma und Milch von geklonten Tieren nach Europa exportiert und weiterverarbeitet. Diese Produkte müssen nicht gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnungspflicht erscheint vielen Kritikern ethisch richtig, würde aber der Wirtschaft auch Geld kosten.

Europa und vielfach auch Deutschland lebt davon Produkte zu exportieren. Wenn man eine Kennzeichnung will und dort Begrenzungen macht, dann kann das nicht ganz ohne Folgen für andere Bereiche sein. Deshalb ist die EU-Komission da auch etwas vorsichtiger. – Heiner Niemann, Leiter des Instituts für Nutztiergenetik

Ist der Verzehr gefährlich?

Für die Verbraucher gibt es wohl keine negativen Auswirkungen, wenn sie Klonfleisch verzehren. Das hat die Washingtoner Behörde für Lebensmittelaufsicht (FDA) bereits 2010 festgestellt. Auch die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat keine Bedenken. Ehtisch-rechtliche Bedenken bei der dauerhaften Reproduktion von Tieren zum Verzehr gibt es aber noch immer.

Das Klonen ist noch nicht perfektioniert. Da gibt es immer noch das ein oder andere Problemen. Das kann dazu führen, dass es bei der Geburt dieser Klon-Nachkommen zu Geburtsschwierigkeiten kommen kann. Das hat Auswirkungen auf das Muttertier und für den Klon-Nachkommen selbst. Das muss man berücksichtigen, wenn man über die praktische Anwendung spricht. – Heiner Niemann, Leiter des Instituts für Nutztiergenetik

Das ist auch ein Grund dafür, warum bislang Nutztiere vor allem aus wissenschaftlichen Gründen geklont werden. Forscher haben bei der Untersuchung von geklonten Zellen bereits revolutionäre Funde für die Bekämpfung von Krankheiten gemacht. Das erklärt Dr. Heiner Niemann im Interview mit detektor.fm– Moderator Christian Bollert. Niemann ist Leiter des Instituts für Nutztiergenetik im niedersächsischen Neustadt und forscht seit vielen Jahren zu genveränderten Tieren.

Heiner_NiemannFür mich ist es wenig sinnvoll, die erste und zweite Generation mit zu kennzeichnen. Denn die sind über sexuelle Reproduktion entstanden. Das hat mit Klonen wenig zu tun.Heiner Niemanner leitet das Insitut für Nutztiergenetik 

Redaktion: Carina Fron