„So gefährlich wie Rauchen“ – Britischer Forscher warnt vor Frühstück

Morgens lieber hungern?

24.01.2017

Glaubt man dem Volksmund, ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages. Ein britischer Forscher behauptet jetzt das Gegenteil: Morgens zu essen sei ungesund und gefährlich. Wie das?

Frühstück als Marketing-Objekt

„Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages“ – so lernten es Generationen von Kindern. Es legt die Grundlage für einen produktiven Tag. Dabei stammt dieser Spruch vom amerikanischen Nahrungskonzern General Foods aus dem Jahr 1944. Der Konzern wollte damals den Verkauf von Frühstücksflocken ankurbeln.

Der britische Wissenschaftler Terence Kealey prangert das Image der ersten Mahlzeit des Tages nun an. Er unterstellt den Nahrungsmittelkonzernen, wissenschaftliche Studien zum Thema zu beeinflussen. Werbung hält er für unangebracht, denn das Frühstück sei gefährlich.

Gefahr auf dem Esstisch

Terence Kealey, immerhin Professor im renommierten Cambridge, hat nun ein Buch über das Frühstück veröffentlicht. Dort erklärt er, warum das morgendliche Müsli ungesund für den Menschen sein kann. Entscheidend sei die zu frühe Zufuhr von Kohlenhydraten. In Brötchen, Marmelade und Honig stecken sehr viele davon und so steigt früh am Tag der Blutzuckerspiegel. Das kann über die Jahre zu Insulinresistenzen führen. Eine Folge davon: Diabetes.

Anlass zur Forschung war Kealeys eigene Erkrankung an Typ-2-Diabetes. Sein Arzt empfahl ihm auch nach der Diagnose ein ausgedehntes Essen am Morgen. Kealey stellte jedoch fest, dass sein Blutzuckerspiegel stark steigt, wenn er gleich morgens etwas isst. Lässt er das Frühstück aus, bleiben seine Werte den ganzen Tag über normal. Die Neugier des Wissenschaftlers war geweckt.

Frühes Essen dennoch wichtig

Kealey rät besonders von Kohlenhydraten am Morgen ab. Statt Weißbrot oder englischem Porridge empfiehlt der Wissenschaftler gekochte Eier, Erdbeeren, etwas Käse oder Salat.

Stefan Kabisch ist Ernährungsmediziner am Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Er sieht das anders und sagt: Morgens zu essen, das sei einfach wichtig. Gerade in der Entwicklung spiele das eine wichtige Rolle.

Kinder, die das Frühstück weglassen, haben ein höheres Risiko, im Alter an Übergewicht oder an Stoffwechselerkrankungen zu erkranken. – Dr. Stefan Kabisch, Ernährungsmediziner

Wie ein gutes Frühstück aussehen sollte, und was von Terence Kealeys Warnung zutreffend ist, erklärt Stefan Kabisch im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Javan Wenz.

Dr. Kabisch privatEs ist wichtig, auch weiterhin Mahlzeiten wie das Frühstück zu erforschen. Es gibt in der Ernährungswissenschaft einfach zu wenig Daten.Dr. Stefan Kabischvom Deutschen Institut für Ernährungsforschung gibt Entwarnung beim Frühstück, sagt aber auch: Wir wissen noch längst nicht alles. 

Redaktion: Paul Schumacher