Forschungsquartett | Akustische Erforschung der Antarktis

Der Klang des Südpolarmeeres

21.03.2017

Das Meer rund um die Antarktis ist noch frei vom Lärm der menschlichen Zivilisation. Unter dem Packeis erklingt ein Chor von Walen, Wind und Wellen. Forscher vom Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung haben den Lauschangriff gestartet. Was kann man lernen vom Lauschen im Eis?

Nur wenige Schiffe durchqueren das Südpolarmeer, das die Küsten der Antarktis umspült. Im antarktischen Sommer sind es um die fünfzig Kreuzfahrtschiffe, die hier Station machen. Dazu kommen Forschungsschiffe wie der deutsche Eisbrecher Polarstern, die hier Experimente durchführen oder die Forschungsstationen versorgen. Im Südwinter dagegen wird es richtig still um den Pol. Denn dann breitet sich das Packeis aus und legt sich hunderte Kilometer breit um das Land. Nur sehr selten wagen sich dann noch Schiffe in die Region.

Antarktis im Winter nur Wale und Robben

Doch einige Tiere weichen dem Winter nicht. Wale und Robben bevölkern auch im Winter das Eis und das Meer darunter. Das zeigt jetzt eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung AWI. Das AWI hatte die Tiere drei Jahre lang belauscht – und auch im Winter noch Wale unter dem Eis gehört.

Rekorder unter dem Packeis

Neue Akkutechnologien erlauben seit einigen Jahren den Langzeiteinsatz von Audiorekordern unter Wasser. An Seilen werden Mikrofone und Rekorder an verschweißten Eisenbahnrädern befestigt, die auf den Meeresgrund in 3.000 Metern Tiefe herabgelassen werden. Die Aufnahmegeräte schwimmen dann im Meer im Falle der Rekorder des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung AWI etwa 250 Meter unter der Meeresoberfläche. Wenn dann im Winter das Packeis darüber treibt, können die Geräte weiter aufnehmen und das Verhalten der Meeressäuger dokumentieren.

Was die Rekorder unter dem Eis alles aufgezeichnet haben, und was das für die Polarforschung bedeutet, hat sich Mike Sattler von Sebastian Menze erklären lassen.

Sebastian MenzeWenn in den nächsten Jahren immer mehr Daten zur Verfügung stehen mit besserer räumlicher Auflösung, können wir grundlegendere Fragen beantworten: Warum migrieren die Tiere, wohin, und wie verändert sich das mit dem Schmelzen des Meereises?Sebastian Menzeforscht derzeit am Institut für Meeresforschung in Bregen, Norwegen. Foto: Privat