Forschungsquartett | Angst vor Schlangen und Spinnen angeboren

Flucht- oder Kampfreaktion

07.11.2017

Schon ein Foto von einer Spinne oder Schlange löst bei rund fünf Prozent der Menschen Panik aus. Diese Reaktion ist angeboren und kein Produkt von Horrorfilmen.

Irrationale Angst vor Schlangen

Gerade in Deutschland muss kaum jemand Angst vor Schlangen haben. Auch die Spinne ist mehr Schädlingsbekämpfer als Feind. Dennoch lösen diese Tiere häufig Schweißausbrüche oder kleine Schreikrämpfe aus. In rund ein bis fünf Prozent der Fälle handelt es sich dabei sogar um eine richtige Phobie.

Woher diese Angst kommt, versuchen Forscher schon lange herauszufinden. Eine Untersuchung des Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig zusammen mit der Uppsala University in Schweden eröffnet nun eine neue Sichtweise.

Schlangen und Spinnen im Labor

Prof. Dr. Stefanie Hoehl und ihre Kollegen haben dafür mit Kleinkindern gearbeitet. Allerdings waren zusammen mit den sechs Monate alten Babys nicht wirklich Schlangen und Spinnen im Raum, sondern sie bekamen Bilder von den Angstauslösern zu sehen. Die Furcht stand vielen ins Gesicht geschrieben. Die Pupillen der Kinder weiteten sich.

Das ist Teil der sogenannten Flucht- oder Kampfreaktion. Ist ein Mensch Gefahren ausgesetzt, steigt zum Beispiel der Blutdruck, der Puls rast und damit vegrößern sich die Pupillen. In diesem Stadium flüchtet man entweder vor der Gefahr oder bekämpft sie. Doch diese Reaktion kann das junge Kind noch nicht von den Eltern gelernt haben. Vielmehr scheint die Angst vor Schlangen also aus ihnen selbst heraus zu kommen.

Bedeutung für Therapie

Die Angst vor Schlangen und Spinnen ist also vermutlich ein Teil unserer Gene. Das bedeutet aber nicht, dass diese immer ausbricht. Dazu benötigt es häufig noch externe Faktoren. Wer eh schon ängstlich ist, neigt auch zu der Angst vor Schlangen. Zusätzlich hat die Sozialisation einen Einfluss. Dokumentationen, aber auch die eigenen Eltern können ein negatives Bild von Schlangen und Spinnen prägen. All diese Erkenntnisse können auch bei der Therapie helfen.

Portrait HoehlWenn man Angst gelernt hat, dann kann man die nicht ohne Weiteres verlernen oder vergessen, aber man kann neu dazu lernen, das von diesen Tieren ja wirklich gar keine Gefahr ausgeht. Prof. Dr. Stefanie Hoehlmöchte noch mehr über angeborene Ängste lernen.  

Spannend wäre für zukünftige Untersuchungen noch, wie bedeutend die Gene bei der Ausprägung der Ängste sind und was nötig ist, um einem Menschen Gänsehaut zu verschaffen. Manchmal reicht schon ein Bild, in anderen Fällen löst nur ein Blick auf das reale Tier die Flucht- oder Kampfreaktion aus. detektor.fm-Reporterin Carina Fron hat Stefanie Hoehl vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften getroffen.