Forschungsquartett | Artenvielfalt: Wozu es den Weltbiodiversitätsrat braucht

Alles, was wir über Ökosysteme wissen. Und über Artenvielfalt.

10.01.2017

Der Weltbiodiversitätsrat hat sich ein hohes Ziel gesteckt: In nur drei Jahren möchte er das weltweite Wissen über Ökosysteme und Artenvielfalt zusammentragen - und für die internationale Politik auf vierzig Seiten zusammenfassen. Wozu ist das notwendig?

Vergangenes Jahr hat die Welt für eine Woche nach Marrakesch geschaut. Denn dort verhandelten die Regierungen auf der UN-Klimakonferenz über die internationale Klimapolitik der kommenden Jahre.

Grundlage ihrer Entscheidungen waren unter anderem Dokumente, die vom Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) kamen: einem Organ der UN. In so genannten Assessments bereiten Forscher für IPCC regelmäßig den Stand der Wissenschaft zum Klimawandel auf. Das soll Politikern eine Grundlage für ihre Diskussionen und Entscheidungen geben.

Ein Weltrat für den Erhalt biologischer Vielfalt

Nach dem Vorbild des IPCC ist vor vier Jahren IPBES gegründet worden: nicht fürs Klima, sondern für die Artenvielfalt. IPBES steht für Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. Die komplexen Bezeichnung, häufig abgekürzt als Weltbiodiversitätsrat, ließe sich vielleicht treffender mit „Weltrat für biologische Artenvielfalt und Ökosystemleistung“ übersetzen.

IPBES wird sich allerdings wenig mit dem konkreten Schutz einzelner Arten befassen. Kernthema ist die menschliche – und möglichst nachhaltige – Nutzung von Ökosystemen.

Umfangreichere Aufgaben als Weltklimarat

Der Weltklimarat befasst sich hauptsächlich mit den Assessments, also dem Sammeln und Bündeln von Informationen. Der Weltbiodiversitätsrat wird dagegen auch andere Aufgaben übernehmen. Neben den klassischen Assessments gehört die Aufklärungsarbeit zu den Kernaufgaben von IPBES. Außerdem soll er lokale Institutionen aus den Bereichen Forschung oder Artenschutz vernetzen sowie neue Methoden in der Biodiversitätsforschung entwickeln und verbreiten.

Artenvielfalt: Das erste globale Assessment hat begonnen

Seit 2016 läuft das erste globale Assessment, welches das weltweite Wissen über Ökosystem- und Biodiversitätsforschung zusammentragen soll. Die Leitung des Assessments teilen sich drei Wissenschaftler als gleichberechtigte Co-Chairs: Neben zwei südamerikanischen Wissenschaftlern ist Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ berufen worden. Bis 2019 sollen sie gemeinsam mit etwa 150 Experten eine Publikation erarbeiten, die Politikern und Entscheidern helfen soll, die komplexen Zusammenhänge weltweiter Ökosysteme zu verstehen.

Mike Sattler porträtiert Josef Settele und seine Arbeit für den IPBES.

Josef Settele vom UFZ ist als Co-Chair für das globale Assessment des Weltbiodiversitätsrats IPBES berufen wordenWir haben weltweit pro Tag 6.000 wissenschaftliche Publikationen. Das kann keiner lesen. Die Kunst besteht darin, die wichtigen Strömungen zu erkennen und die wesentlichen Ergebnisse zusammenzufassen.Prof. Dr. Josef Setteleist als Co-Chair des globalen Assessments des IPBES berufen worden. Foto: Sebastian Wiedling / UFZ. 

Redaktion: Mike Sattler