Forschungsquartett | Bewusstseinsveränderung durch Atmen

Verborgene Persönlichkeit

08.08.2019

High sein ohne Chemie und die damit verbundenen Risiken? Das geht, und zwar nur durch gezieltes Atmen. Doch was passiert dabei im Körper? Darüber haben wir mit dem Psychologen und Neurowissenschaftler Ulrich Ott gesprochen.

Atmen: Alternative zu LSD?

Das sogenannte holotrope Atmen (von griechisch holos „ganz“ und trepein „sich begeben“) ist eine Atemtechnik, die darauf abzielt, unbewusste Anteile der Persönlichkeit zu entdecken. Dabei ist die Wirkung der gewollten Hyperventilation ähnlich wie die von LSD. Der Entwickler der Technik, der tschechische Psychologe Stanislav Grof, hatte zuvor bereits mit LSD in der Psychotherapie experimentiert.

Der Trend zu „Legal Highs“

Immer mehr Menschen nutzen mittlerweile Alternativen zu illegalen Drogen, um ihr Bewusstsein zu erweitern. Dazu trifft man sich zum Beispiel auf Partys und trinkt große Mengen Kakao oder setzt sich flackerndem Licht aus, um high zu werden. Der größte Vorteil: gesundheitliche Risiken bestehen dabei kaum.

Auch das holotrope Atmen ist vergleichsweise risikoarm. Durch die schnelle Atmung wird Kohlenstoffdioxid abgeatmet. Zudem verschiebt sich das chemische Gleichgewicht des Blutes. Weniger Kohlenstoffdioxid im Blut verändert die Durchblutung im Gehirn, wodurch sich der Bewusstseinszustand verändert und eine Art „Trip“ beginnt.

Es ist schon wichtig, dass man das Umfeld so gestaltet, dass man absolut sicher ist dabei. Dass, auch wenn Bewusstlosigkeit auftritt, jemand da ist, der sich um einen kümmert. – Ulrich Ott, Neurowissenschaftler und Psychologe am Bender Institute of Neuroimaging

Wie fühlt sich ein Trip durch holotropes Atmen an und was passiert dabei im Körper? detektor.fm-Redakteurin Lara-Lena Gödde hat sich mit jemandem unterhalten, der selbst die Atemtechnik ausprobiert hat. Außerdem hat sie mit Ulrich Ott gesprochen. Der Psychologe und Neurowissenschaftler hat unter anderem daran geforscht, was in den Gehirnen von Menschen passiert, die zuvor hyperventiliert haben.

Foto: Anna VoelskeDas ist eine Methode, die sehr stark darauf angelegt ist, Durchbruchserlebnisse oder eine Katharsis hervorzurufen, wie ja oft auch in der Psychotherapie. In der Regelversorgung wird das aber normalerweise nicht angewandt. Das sind dann eher so Selbsterfahrungsgruppen, wo das viel praktiziert wird. Ulrich Ottist unter anderem Autor des Buches "Meditation für Skeptiker". Foto: Anna Voelske