Forschungsquartett | Bienen und Pflanzenschutzmittel

Giftiger Nektar

04.07.2017

Künstliche Pflanzengifte soll die Ernte der Bauern vor Schädlingen schützen. Aber schaden sie auch Bienen und Hummeln? Zwei Studien untersuchen die Auswirkungen und kommen zu irritierenden Ergebnissen.

Pflanzenschutzmittel vs. Honigbiene: Neue Erkenntnisse

Den deutschen Bienen geht es erstaunlich gut. Zumindest denen, die Nektar und Pollen von Pflanzen auf den Testfeldern in der Lausitz gesammelt haben. Zwar enthielten die Pflanzen dort ein wirksames Nervengift aus der Gruppe der Neonicotinoide. Aber die Pflanzenschutzmittel haben den Bienenvölkern offenbar nicht geschadet. Denn sie entwickelten sich ähnlich gut wie die Vergleichsvölker, die ungiftigen Pollen gesammelt haben.

Diese Beobachtungen hat ein internationales Forscherteam gerade im Fachmagazin „Science“ publiziert. Ein überraschender Fund, denn das gleiche Forscherteam hat in Ungarn und England ganz andere Beobachtungen gemacht. Dort nahmen die Völker auf Feldern, die mit dem gleichen Insektenschutzmittel behandelt waren, deutlich Schaden.

Verschiedene Ergebnisse je Land

In der gleichen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift ist eine weitere Studie veröffentlicht worden, der vergleichbare Untersuchungen in Kanada zu Grunde liegen. Auch hier fanden die Forscher negative Auswirkungen der Pflanzenschutzmittel auf die Gesundheit der Bienen.

Eine ähnliche Studie, die vor zwei Jahren in Südschweden durchgeführt worden war, zeigt wiederum nur Auswirkungen der Giftstoffe auf Wildbienen und Hummeln, nicht aber auf Honigbienen.

Entscheidender Faktor noch unbekannt

So werfen die Studien erst einmal mehr Fragen auf, als sie Antworten liefern. Sie zeigen, wie gering unser Wissen über die Auswirkungen der Gifte tatsächlich ist. Forscher vermuten, dass Wechselwirkungen mit anderen Pflanzenschutzmitteln, wie etwa Fungiziden die Neonicotinoide gefährlich für die Bienen machen. Vielleicht ist aber auch der allgemeine Gesundheitszustand oder die Größe eines Bienenvolks dafür verantwortlich, wie gut das Volk den Schaden begrenzen kann.

Die entscheidende Frage, die Forscher und Politik bewegt, können die Studien nicht beantworten: Sind Pflanzenschutzmittel schädlich oder nicht? Offenbar ist das nicht ganz so einfach zu bestimmen. Die Studien können aber als Hinweis darauf gedeutet werden, dass es eventuell Einsatzmöglichkeiten für die höchst wirksamen Insektizide gibt, die für Bienen relativ ungefährlich sind.

Prof. Robert Paxton von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist Experte für das Immunsystem von Bienen. Erst vor wenigen Monaten hat er mit Kollegen am Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung iDIV Schlüsselgene der Biene für deren Immunsystem identifiziert. Im Gespräch erklärt er detektor.fm– Moderator Lucas Kreling, wie Neonicotinoide funktionieren und welche Schlüsse er aus den jüngsten Forschungsergebnissen zieht.

Prof Robert Paxton erforscht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg das Immunsystem der BienenWir müssen noch mehr Forschung betreiben, um zu verstehen, welche Faktoren für die negativen Auswirkungen der Neonicotinoide verantwortlich sind.Prof. Robert Paxtonerforscht an das Immunsystem der Bienen an der MLU Halle-Wittenberg. Foto: Universität Halle-Wittenberg / Michael Deutsch 

Redaktion: Mike Sattler