Forschungsquartett | Blitze und Forschung

Jeder Blitz hat seine Eigenheiten

02.01.2018

Als Naturphänomene sind Blitze schwer vorherzusagen. Das macht die Blitzforschung gefährlich, aber auch besonders spannend. Schon Benjamin Franklin hat das erkannt.

Blitze haben eine Stromstärke von bis zu 400.000 Ampere. Zum Vergleich: Eine Steckdose liefert höchstens 16 Ampere. Als wäre das nicht schon gefährlich genug, sind die Naturphänomene bis zu 35.000 Grad heiß. Dennoch lässt sich der Blitz im Gegensatz zu Wind oder Wasser nicht als Stromquelle nutzen. Blitze sind einfach zu unberechenbar. Das hat auch Christian Paul erkannt. Er ist an der Universität der Bundeswehr in München für die Blitzforschung zuständig.

Den Feind kennen

Die Unberechenbarkeit bedeutet aber nicht, dass es nicht trotzdem sinnvoll ist, viel über Blitze zu lernen. Das hat bereits Benjamin Franklin im 18. Jahrhundert erkannt. Der Gründervater der Vereinigten Staaten ließ die Faszination für den „Strom aus dem Himmel“ nicht los und hat schlussendlich den ersten Blitzableiter erfunden.

Am 15. Juni 1752 hat Franklin einen Drachen in eine Gewitterwolke aufsteigen lassen. Er wollte damit die Hypothese prüfen, ob hohe elektrische Spannungen die Ursache für Blitze sind. Franklin hat erkannt, dass sich der Blitz mit einem metallenen Draht an dem Drachen ablenken lässt. So soll er auf die Idee gekommen sein, dass Metall auf den Häusern die Blitze in die Erde umleiten können – der Beginn der Blitzforschung. Allerdings streiten sich Historiker bis heute, ob sich Franklin diese Erzählung nicht nur ausgedacht hat. Immerhin ist dieses Experiment sehr gefährlich.

Blitze nachbauen

Auch Christian Paul und seine Kollegen an der Bundeswehruniversität verfolgen mit ihrer Blitzforschung das Ziel, die Naturgewalten besser kennenzulernen und herauszufinden, was vor ihnen schützt. Dabei ist nicht jeder Blitz gleich. Sie unterscheiden sich zum Beispiel in Dauer und Intensität. Paul und seine Kollegen haben aus diesem Grund eine „Blitz-Fanganlage“ am 150 Meter hohen Fernsehturm auf dem Hohen Peißenberg installiert. Der liegt rund 60 Kilometer südwestlich von München. Kleine Fangspitzen sollen einen Blitzeinschlag in den Fernmeldeturm provozieren. Zusätzlich messen sie alle Parameter des Blitzes, sodass die Forscher sie im Labor nachbauen können. Das erleichtert die Analyse.

Über die Blitzforschung hat Christian Paul von der Universität der Bundeswehr in München mit detektor.fm-Redakteurin Carina Fron gesprochen.