Forschungsquartett | Erdbeobachtung durch Tiere

Humboldts Traum

11.10.2016

Wissenschaftler wollen Tiere und ihr Verhalten besser verstehen, um ihre Intuitionen auch zum Schutz der Menschen nutzen zu können. Man will aus Tierbeobachtungen Rückschlüssen ziehen, wie sich Seuchen ausbreiten und welche Auswirkungen der globale Klimawandel hat. Wie das funktioniert? Wir haben nachgefragt.

Das „Zusammenspiel der einzelnen Teile, der Erde durchdringen“ – das war schon das Ziel des deutschen Naturforschers Alexander von Humboldt Anfang des 19. Jahrhunderts. Wie weit sich die Beobachtung der Tiere in den folgenden 200 Jahren entwickeln würde, hätte Humboldt vermutlich nicht zu träumen gewagt.

Wendepunkt der Tierbeobachtung

Denn: Geologen, Biologen und Physiker kommen Dank der immer ausgefeilteren Beobachtung der Tiere den Antworten auf ihre Fragen immer näher.

Bisher gibt es Erdbeobachtung durch Tiere fast nicht. Wir sind aber jetzt durch die neue Elektronik in der Lage, so etwas wirklich weltweit zu machen. Das ist wirklich eine Revolution in dem Verständnis des Lebens auf der Erde. – Martin Wikelski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie

ICARUS fliegt zur ISS

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum und russischen Weltraumtechnikern haben Wikelski und sein Team den Weltraumsender ICARUS (International Cooperation for Animal Research Using Space) entworfen. Der soll im nächsten Sommer an der Raumstation ISS angebracht werden. Über den Sender werden weltweite Daten über Tierbewegungen gesammelt. Mithilfe von Chips, die vorher an Tieren befestigt werden, werden Daten an den Satelliten gesendet. Die Chips sind nur noch so groß wie ein Fingernagel und wiegen fünf Gramm.

Anhand der Daten wollen die Wissenschaftler besser nachvollziehen können, wie sich Krankheiten verbreiten, das Klima die Natur beeinflusst und extreme Wetterlagen möglichst frühzeitig vorhersagbar werden. Und es soll auch dem Tierschutz in die Hände spielen.

Man kann zum Beispiel aber auch Wild Life Crime, die Mafia, die sich jetzt damit beschäftigt, Elefanten oder Nashörner zu schießen, stoppen. Man kann die Fischschwärme verfolgen, weltweit. Um zu verstehen: wie kann man überhaupt Fische schützen, damit es weiterhin auch Nahrung gibt? – Martin Wikelski

Auch ohne die Weltraumtechnik erfahren Wissenschaftler vieles über die Zusammenhänge in unserer Natur über die Beobachtung von Tieren. detektor.fm-Reporterin Juliane Neubauer stellt Moderatorin Doris Hellpoldt Forschungsprojekte und den Weltraumsender Icarus vor.