Forschungsquartett | Faultiere verdienen ihren Namen nicht

Faul? Von wegen!

21.11.2017

Ihre Langsamkeit macht die Faultiere zu besonders knuffigen Artgenossen. Doch nur weil die Tierchen lediglich rund acht Stunden am Tag wach sind, heißt das nicht, dass sie faul sind. Vielmehr sind sie schlaue Strategen.

Wie schön wäre ein Leben, wenn es nur aus Schlafen und Essen bestünde? Das denken viele, wenn sie ihr Haustier beim Dösen beobachten. Doch während der Hund oder die Katze noch ab und zu Action suchen, scheuen Faultiere jegliche Bewegung. Sie hängen am liebsten auf ihrem Baum ab und schlummern. Kein Wunder also, dass sie diesen Namen tragen.

Alles für die Nahrung

Doch hinter diesem Verhalten steckt viel mehr als gedacht. Faultiere sparen wortwörtlich Energie. Sie können ihren Stoffwechsel verlangsamen. Ihre Körpertemperatur liegt bei rund 33 Grad Celsius. Nachts sinkt sie auf 24 Grad ab. Deshalb liegen sie tagsüber gerne in der Sonne, um sich wie Echsen aufzuwärmen. Zusätzlich kommen sie nur mit ganz wenig Nahrung aus.

Doch die Dreifingerfaultiere haben sich noch eine zusätzliche Nahrungsquelle gesucht. Dafür müssen sie allerdings einmal pro Woche ihren gemütlichen Platz im Baum verlassen. Sie setzten dann auf dem Boden ihren Kot ab. Lange wussten Forscher nicht warum. Immerhin fällt es ihnen nicht ganz leicht zu laufen und sie setzen sich damit der Gefahr von Fressfeinden aus.

Forscher der University of Wisconsin-Madison untersuchten die Faultiere und haben herausgefunden, dass der Kot auf dem Boden Motten aus dem Fell der Faultiere anzieht. Die Motten legen hier nämlich ihre Eier ab, die sich vom Kot ernähren. Wenn diese dann zu Motten herangewachsen sind, fliegen sie wieder zu einem Faultier. Die Insekten bringen Nährstoffe ins Fell, die wiederum winzige Algen anziehen. Diese Algen ergänzen den sonstigen Speiseplan.

Faultiere sahen früher anders aus

Funde zeigen, dass Flautiere früher eine ganz andere Statur hatten. Doch nicht nur ihr Verhalten, sondern auch ihr ganzer Körper hat sich ihren jetzigen Lebensbedingungen angepasst. Die kleiderbügelartigen Krallen erlauben ihnen diese entspannte Haltung.

Zusätzlich haben die Tiere einen schwach entwickelten Seh- oder Hörsinn. Umso besser ist dafür aber ihr Geruchs- und Tastsinn. Alles Hinweise darauf, dass das Faultier keineswegs einfach nur faul ist, sondern sich den Bedingungen optimal angepasst hat.

Das hat auch Prof. Dr. John Nyakatura von der Humboldt-Universität zu Berlin in seinen Untersuchungen festgestellt. Mehr über die Faultiere hat er detektor.fm-Redakteurin Carina Fron erzählt.

John_Nyakatura_CZSie fressen die Blätter, die ihnen vor der Nase wachsen. Übrigens sind manche Faultiere auf bestimmte Nahrungspflanzen angewiesen und deshalb nur schwer in Europa im Zoo zu halten.Prof. Dr. John Nyakaturahat sich mit dem Bewegungsapparat der Faultiere beschäftigt.