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Japanischer Staudenknöterich. Foto: gabriel12 / shutterstock
Bild: gabriel12 | shutterstock.com

Forschungsquartett l Invasive Arten

Über den Gartenzaun

Eine neue Studie warnt vor den Schäden durch invasive Arten. Diese Tier- und Pflanzenarten gelangen auf verschiedenen Wegen in ein neues Gebiet und können dort gefährlich werden – auch für Menschen. Was muss geschehen, um diese Arten zu kontrollieren?

Das Forschungsquartett – dieses Mal in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.


Wer einen Garten hat, kennt das Problem und auch in den Parks und Wäldern wird es immer offensichtlicher: Bestimmte Tier- und Pflanzenarten vertreiben die einheimische Flora und Fauna. Eine neue Studie, die von 13 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus allen Ecken der Welt geschrieben wurde, warnt vor den Schäden durch invasive Arten.

Gebietsfremd ist nicht gleich invasiv

Die Studie trägt den Titel „Scientists‘ warning on invasive alien species“ und ist in der Wissenschaftszeitschrift Biological Reviews erschienen. Darin werden die wichtigsten Probleme aufgezählt, die durch gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten hervorgerufen werden.

Als gebietsfremd gelten Arten, die auf verschiedenen Wegen von einem Gebiet in ein anderes gekommen sind und sich dort vermehren. Der Großteil dieser Arten ist unproblematisch und wird zum Beispiel als Zierpflanze im neuen Gebiet ausgesiedelt.

Für erhebliche Konsequenzen sorgen aber diejenigen gebietsfremden Arten, die sich nicht reibungslos in ein Ökosystem einfügen. Diese invasiven Arten unterdrücken andere und können so der Grund für ein unausgeglichenes Ökosystem sein – selbst für den Menschen ist die ein oder andere Art gefährlich.

Durch die Klimaerwärmung auf einen neuen Kontinent

Die Wege, auf denen solche Tier- und Pflanzenarten in ein neues Gebiet gelangen, sind vielfältig. Neben der absichtlichen Aussiedlung aus ökologischen und ökonomischen Gründen führt auch die zunehmende Globalisierung dazu, dass Arten ihren Standort wechseln.

Je mehr Material im Umlauf ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man Organismen dabei hat, die eigentlich nicht erwünscht sind.

Prof. Dr. Ingolf Kühn, Invasionsbiologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Prof. Dr. Ingolf Kühn, Invasionsbiologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Auch die Klimaerwärmung hinterlässt ihre Spuren. Arten, die vor einigen Jahren in Deutschland keine guten Lebensbedingungen gefunden haben, können sich durch wärmere Temperaturen und ausbleibenden Bodenfrost gut ausbreiten.

Bessere Zusammenarbeit ist gefordert

Die Europäische Union hat bereits in der Unionsliste 66 Arten dokumentiert, die problematisch sind oder in Zukunft Probleme verursachen könnten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern aber noch mehr: Sie wollen, dass die verschiedenen Staaten noch besser zusammenarbeiten.

Es müsste eine viel bessere Koordinierung innerhalb der EU geben – aber auch darüber hinaus. Damit man den Handel mit derartigen Arten soweit unter Kontrolle bringt, dass keine gebietsfremden Arten reinkommen.

Prof. Dr. Ingolf Kühn

Um unsere Ökosysteme zu schützen, muss verhindert werden, dass sich invasive Arten ausbreiten. Welche Arten besonders gefährlich sind, was die Politik dagegen tun kann und welche Verantwortung jede und jeder einzelne trägt, darüber hat detektor.fm-Redakteurin Marie Jainta mit Prof. Dr. Ingolf Kühn gesprochen. Er ist einer der Autoren der Studie und Invasionsbiologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Von ihren Ergebnissen hat Marie Jainta detektor.fm-Moderatorin Leora Koch berichtet.