Forschungsquartett | Das Genom der Internet-Katze Lil BUB

Genetik – mal anders

14.03.2019

Eine kleine Katze Namens Lil BUB hat es geschafft, zum Social-Media-Phänomen zu werden. Das verdankt sie nicht zuletzt ihrem Aussehen: platte Nase, große Kulleraugen, die Zunge hängt aus dem Mund und an jeder Pfote hat Lil BUB sechs Zehen. Die Deformationen gehen auf eine Mutation im Genom der Katze zurück.

Lil BUB auf dem Weg zur Berühmtheit

Mike Bridavsky hat Lil BUB 2011 in einem Werkzeugschuppen im ländlichen Indien gefunden. Er nahm das Katzenbaby zu sich. Und schon im November gab es das erste Foto des mutierten Kätzchens auf Tumblr. Danach wurde es auf Reddit und später auf allen möglichen Plattformen verbreitet. Inzwischen liefert die Google-Suche mehr als eineinhalb Millionen Treffer. Das Aussehen des Tieres wird zwar von vielen als süß angesehen, ist natürlich aber nicht gesund.

Auch deshalb hatte Mike Bridavsky sich direkt dazu bereit erklärt, eine Blutprobe von seiner Katze zu geben, um der Genetik seines Haustiers auf den Grund zu gehen. Eine Elektro-Puls-Therapie hat Lil BUBs Gelenke davor bewahrt, komplett zu versteifen. Aufklärung über die vermutete Krankheit Osteopetrose ist für Lil BUB aber auch für viele betroffene Menschen wichtig.

Forschung für die Massen

Drei Genetikerinnen und Genetiker aus Deutschland und den USA, die an ähnlichen Mutationen am menschlichen Genom forschen, wollten das Rätsel um Lil BUBs Genom lösen. Das haben Dr. Darío G. Lupiáñez, Dr. Daniel M. Ibrahim und Orsolya Symmons dann auch getan. Von einer Crowdfunding-Kampagne finanziert, haben sie Lil BUBs Genom entschlüsselt und die Ergebnisse veröffentlicht. In diesem Fall hat Lil BUB also einen wichtigen Dienst an der Forschung getan. Denn die Ergebnisse sind auch für alle anderen interessierten Forscher zugänglich.

Wir haben durch das Projekt versucht zu zeigen, dass wir ganz normale Leute sind, die ganz normale Sachen machen. Und das wir gerne alle daran teilhaben lassen. – Daniel Ibrahim, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Daniel_2Es gab keine Häme. Niemand hat gedacht, dass wir das machen, weil wir die coole Katze sequenzieren wollen. Die Mission war, unsere Forschung einer breiteren Masse zu erklären, und das haben alle verstanden. Das hat mich gefreut!Daniel Ibrahimist Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. 

Wie man an so eine Art von Forschung überhaupt herangeht und die Zusammenhänge zwischen dem Projekt Lil BUB und der Forschung am menschlichen Genom hat Dr. Daniel Ibrahim detektor.fm-Moderatorin Bernadette Huber im Interview erklärt. Er arbeitet am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik und hat zusammen mit seinem Team das Genom von Lil BUB offengelegt.


Forschungsquartett – Wissenschaft bei detektor.fm. Jede Woche blicken wir auf neue Entwicklungen und Ergebnisse in der deutschen Forschungslandschaft. Überall in Deutschland arbeiten Wissenschaftler daran, die Welt ein wenig besser zu machen. Wir schauen ihnen über die Schulter.

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