Forschungsquartett | Hören und Aufmerksamkeit

"Das Problem liegt nicht nur in den Ohren"

30.07.2015

Bei lauter Musik und ein Durcheinander von viele Stimmen fällt besonders älteren Menschen das Zuhören schwer. Auf Partys beispielsweise geht das aber auch jungen Menschen oft so. Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Frage, welche Rolle Umgebungsgeräusche für unser Hören spielen.

Familiengeburtstag: Viele Menschen sitzen zusammen und die Gespräche gehen quer über den Tisch. Besonders ältere Gästen können oft nur schwer folgen. Zuhören unter widrigen Bedingungen wird mit zunehmenden Alter immer schwerer – aber woran liegt das? Das Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften sucht nach Antworten.

Hören: Mehr als nur Ohren

Im Laborversuch der Arbeitsgruppe Auditive Kognition sollen solche anpruchsvollen Hörsituationen nachgestellt werden: Die Testhörer achten auf eine Reihe von Zahlen, während im Hintergrund zeitgleich Störgeräusche laufen. Das kann ein Rauschen oder eine zweite Stimme sein.

Dabei werden die Hirnströme der Hörer gemessen. Die Forscher wollen so nachvollziehen, warum solche Hörsituationen im Alter schwieriger werden. Ein möglicher Grund: Mit zunehmendem Alter fällt es schwerer, aufmerksam zu bleiben und die gewünschten Gesprächsfetzen aus dem Geräuschebrei herauszufiltern.

In den letzten Jahren versucht man in der Forschung, die Themen Hören und Kognition. Also denken, verstehen – näher zusammenzubringen. – Jonas Obleser, Max-Planck-Institut

Zukunft der Hörgeräte

Die Forschung könnte in Zukunft Menschen helfen, die sich dauerhaft in schwierigen Hörsituationen befinden. So könnte sich das Hörerlebnis von Menschen mit Hörgeräten oder einem Cochlea-Implant noch weiter verbessern. Bisher konzentriert man sich bei den Geräten allein auf die Akustik, also das Hörvermögen des Ohres, jedoch nicht auf die Wahrnehmung.

Es wäre schon ideal, wenn wir in einigen Jahren dahin kommen, dass Hörgeräte auch über den Belastungszustand des Gehirns informiert sind.  – Jonas Obleser, Max-Planck-Institut

Im Interview hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit Jonas Obleser gesprochen. Er forscht am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und leitet die Arbeitsgruppe „Auditive Kognition“.

Jonas-Obleser-2012-(c)-S-WillnowEs ist nicht so einfach, dass man für eine gute Hörsituation einfach nur alle Störgeräusche entfernen muss. Hörgeräte können heute relativ gut Störgeräusche entfernen. Manche Hörer ermüdet aber genau das.Jonas Oblesererforscht, unter welchen Bedingungen uns das Zuhören schwer fällt. Foto: S. Willnow 

Redaktion: Sandro Schroeder