Forschungsquartett | Homo sapiens ist älter als gedacht

Von Afrika in die gesamte Welt

20.02.2018

In der Mislyia-Höhle in Israel wurde der vermeintlich älteste Knochen des "modernen" Menschen gefunden. Allerdings ist das Alter des Fossils höher als jeglicher anderer Funde in der Region. Die Wissenschaft muss jetzt umdenken: Ist der Homo sapiens doch deutlich älter als angenommen?

Die Reise des Homo sapiens

In den 1930er Jahren wurden Knochen gefunden, die Forscher darauf gebracht haben, dass der moderne Mensch von Afrika aus nach Europa gewandert sein muss. Denn die Funde stammen aus Israel, das seit Jahrtausenden eine Brücke zwischen Afrika und Asien, aber auch Europa ist.

Zuvor wurden zahlreiche Fossilien von Neanderthalern in Europa und Asien gefunden, speziell in Afrika gibt es aber Funde des Homo sapiens. Bisher ist man davon ausgegangen, dass der Homo sapiens wegen Klimaveränderungen vor ungefähr 130.000 Jahren aus Afrika ausgewandert ist.

Der Sensationsfund

This undated handout photo obtained January 25, 2018, courtesy of Rolf Quam/ Binghamton University shows the left hemi-maxilla with teeth. The oldest remains of a modern human outside Africa have been dug up in Israel, offering evidence of what genetic studies have already suggested -- that humans migrated out of Africa far earlier than previously thought. Facial fragments, including a jawbone and several teeth, were found at a site called Misliya Cave in Israel, one of several prehistoric cave sites located on Mount Carmel.The bones date to between 174,000 and 188,000 years old, said the report in the January 25, 2018 edition of the US journal Science. That's about 50,000 years earlier than the last known evidence of mankind's ancestors. "Misliya is an exciting discovery," said co-author Rolf Quam, an anthropology professor at Binghamton University."It provides the clearest evidence yet that our ancestors first migrated out of Africa much earlier than we previously believed." / AFP PHOTO / Rolf Quam/Binghamton University / Handout / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / ROLF QUAM/BINGHAMTON UNIVERSITY" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS

Das ist der Teil des Oberkiefers, zusammen mit acht relativ gut erhaltenen Zähnen. Foto: Rolf Quam, Binghamton University | AFP

Ein israelisch-amerikanisches Forschungsteam hat aber einen fossilen Knochen gefunden, der die bisherigen Annahmen über den Haufen wirft. Denn der Knochen ist nach mehreren Berechnungen ungefähr 190.000 Jahre alt. Das belegt zum Einen, dass der Homo sapiens Afrika deutlich früher verlassen haben muss, als bisher angenommen wurde.

Zum Anderen ist es aber auch ein Indiz dafür, dass unsere Entstehungsgeschichte älter sein muss. Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie um den Leiter Prof. Dr. Jean-Jaques Hublin haben das zwar schon im vergangenen Jahr prognostiziert, doch haben sie durch den Fund einen weiteren Beweis für ihre Theorie.

detektor.fm-Redakteur Merten Waage hat einen kleinen Abriss durch die Geschichte der Menschheit gewagt und verrät auch, was Charles Darwin mit den Funden aus Israel zu tun hat.

 


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