Forschungsquartett | Wissenschaftlicher Jahresrückblick 2016

Ein gutes Jahr für die Wissenschaft

27.12.2016

Das Jahr 2016 ist irgendwie kein so gutes Jahr gewesen, finden viele. In der Wissenschaft sieht das jedoch anders aus: Ergebnisse der Grundlagenforschung und die Entwicklung neuer Instrumente versprechen vor allem spannende Projekte für die kommenden Jahre.

Jahresrückblick: Von Gravitationswellen und Genscheren

Die ersten großen Wellen haben Nachrichten aus der Wissenschaft dieses Jahr im Februar geschlagen. Da hat ein internationales Konsortium aus mehreren Forschungseinrichtungen die Entdeckung der Gravitationswellen bekannt gegeben. Diesen Beleg für die allgemeine Relativitätstheorie hatten die Forscher bereits Ende 2015, pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum der Theorie aufgezeichnet. Allerdings dauerte die Überprüfung der Daten dann noch bis ins neue Jahr.

Die Gravitationswellen beweisen aber nicht nur die Relativitätstheorie. Sie ermöglichen in Zukunft die Beobachtung kosmischer Ereignisse auch aus der Geburtsstunde des Universums.

Potential und Gefahren neuronaler Netze

Wenig später fesselte die Partie zwischen Googles künstlicher Intelligenz AlphaGo und dem amtierenden Weltmeister im Go-Spiel Lee Sedol die Öffentlichkeit. AlphaGo hat die Partie gewonnen und damit ein neues Kapitel in der KI-Forschung aufgeschlagen. Das Potential und die Gefahren selbstlernender Netze wurde sowohl auf Seiten der Wissenschaft wie auch in den Feuilletons diskutiert.

Noch immer beherrscht CRISPR die Schlagzeilen

Vor allem aber beherrschte die „Gen-Schere“ CRISPR/Cas9 die wissenschaftliche Berichterstattung 2016. CRISPR bezeichnet eine Art Leitsystem, mit dem bestimmte Genabschnitte auf der DNA identifiziert werden können. Das Cas9-Protein zerschneidet die DNA an dieser Stelle und erlaubt es, neuen Code hinzuzufügen oder alten zu entfernen. Es ist ein preiswertes und hocheffizientes Verfahren, um die DNA einer Zelle zu manipulieren.

Erster Einsatz von CRISPR am Menschen

Gegen Ende des Jahres ist CRISPR erstmals an einem lebenden Menschen eingesetzt worden. Chinesische Forscher entfernten den Immunzellen eines Krebspatienten ein Gen, welches das Immunsystem an einer effektiven Bekämpfung der Krebszellen hinderte. Während die USA noch zögert, hatte auch Großbritannien bereits im Februar die Anwendung an menschlichen Embryonen erlaubt. Schlagzeilen machte CRISPR aber auch wegen eines einsetzenden Patentstreits, an dem auch in Deutschland arbeitende Forscher beteiligt sind.

Der Populismus und die Wissenschaft

Unruhe und Unbehagen verbreitete sich 2016 auch im anglophonen Wissenschaftsraum: Die Entscheidung über den Brexit könnte die britische Forschung von EU-Fördermitteln abkoppeln. Und in den USA fürchtet die Forschergemeinschaft den ersten „anti-science President“ der Vereinigten Staaten.

Grob umrissen könnte man das internationale Wissenschaftsjahr 2016 vielleicht so beschreiben: Forschungsergebnisse = Top, Rahmenbedingungen = Flop. Denn während die Entdeckung der Gravitationswellen und die Weiterentwicklung der Gen-Schere CRISPR/Cas9 völlig neue Forschungsfelder ermöglichen, bangt ein großer Teil der wissenschaftlichen Community um ihre Zukunft.

Forschungsquartett-Redakteur Mike Sattler fasst in seinem wissenschaftlichen Jahresrückblick 2016 die wichtigsten Ereignisse aus der Forschung zusammen.

Redaktion: Mike Sattler