Forschungsquartett | Methanquellen

Oasen der Tiefsee

21.05.2015

Die Tiefsee hat lange als lebensfeindlich gegolten. Neue Forschungen zeigen: Methanquellen am Grund der Ozeane sind Oasen des Lebens. Forscher des Max-Planck-Instituts in Bremen beschäftigen sich intensiv mit diesen Quellen des Tiefsee-Lebens.

Die Tiefsee – ein lange missachteter Lebensraum

Lange Zeit gilt die Tiefsee als lebensfeindlich. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts beginnen Forscher, die Tiefsee zu erkunden. Der späte Zeitpunkt hängt mit den technischen Hürden zusammen: Immerhin braucht man spezielle Tauchgeräte, um überhaupt in die tieferen Zonen der Weltmeere zu gelangen. Die Aufsehen erregendste Expedition in die Tiefe nimmt im Jahr 1960 Jacques Piccard vor: Er taucht bis auf rund 11.000 Meter Tiefe zum Marianengraben und findet selbst dort Leben.

Die Tiefsee – ein erstaunlicher Lebensraum

Tiere mit unförmigen Mäulern und besonderen Leuchtorganen, um ihre Beute aufzuspüren. Mittlerweile wissen Forscher, dass die Tiefsee voll von Leben ist. Wegen Dunkelheit und Kälte entwickeln sich Lebewesen dort viel langsamer und werden viel älter. Und sie sind auf andere Lebensgrundlagen angewiesen, denn Sauerstoff und vor allem Sonnenlicht sind in der Tiefe rar. Doch es gibt Alternativen:

Methan-Quellen – Oasen der Tiefsee

Methan-Quellen sind Stellen im Meer, an denen das Gas Methan aus dem Erdinneren strömt. Was genau dort vor sich geht, haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie erforscht. Sie haben Proben von über 50 über den Globus verteilten Orten in der Tiefsee entnommen und die Lebensgemeinschaften untersucht. Dabei tauchen Forscher kaum noch selbst in die Tiefe: Heute übernehmen ROV (remotely operated verhicles), also Tauchroboter, die Arbeit und sammeln die Proben vom Meeresgrund. In den Proben finden die Wissenschaftler unterschiedlichste Organismen. Die primären Lebewesen sind so genannte Methan-Oxidierer. Das sind Mikroorganismen, die das Methan in Biomasse umwandeln. Die Methan-Oxidierer sind selbst auch Nahrungsquellen für Organismen wie Krebse und Würmer, die wiederum von höheren Lebewesen wie Fischen gefressen werden. So sind die Methan-Quellen in der Tiefsee wahre Oasen.

detektor.fm-Reporter Max Heeke hat mit dem Mikrobiologen Emil Ruff über das Abenteuer Tiefseeforschung gesprochen und darüber, welchen Einfluss die Lebensgemeinschaften der Tiefsee auf unser Klima haben.

Emil Ruff_Forschungsquartett_MPI Bremen_Durch diese Mikroben werden dicht besiedelte Lebensräume ermöglicht, die es von der Biomasse her leicht mit Korallenriffen und tropischen Regenwäldern aufnehmen können. So hat man auch das Paradox gelöst, dass es am Meeresboden solche Ökosysteme gibt, obwohl es kein Licht gibt.Emil Ruff forscht am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie