Forschungsquartett | Musikalische Schlüsselerlebnisse

Wenn die Musik nicht mehr loslässt

09.10.2018

Unser Musikgeschmack wird vor allem durch unser soziales Umfeld geprägt. Aber offenbar können ganz bestimmte Erlebnisse dazu führen, dass wir neue Musik für uns entdecken und uns zu eigen machen.

Musikalische Schlüsselerlebnisse – diesen Begriff gab es in der Forschung offiziell noch gar nicht, als Melanie Wald-Fuhrmann am Institut für empirische Ästhetik anfing, dazu zu forschen. Sie dachte damals, aus eigener Erfahrung heraus, dass es so etwas geben muss. Zunächst hat sie sich dem Phänomen mit einem sehr offenen Fragebogen angenähert.

Bis ins Detail eingeprägt

Die Teilnehmer der Studie wurden aufgefordert, einen bestimmten Moment zu beschreiben, der ihren Musikgeschmack geprägt und vielleicht sogar grundlegend verändert hat. An diesem Punkt haben dann schon 90 Prozent den Fragebogen abgebrochen. Daraus schließt Wald-Fuhrmann, dass nicht alle Menschen ein solches Erlebnis gehabt haben.

Das kennt man aus anderer psychologischer Forschung: An diese prägenden Erlebnisse erinnern wir uns ein Leben lang und meist mit erstaunlichem Detailreichtum. Da wissen wir etwa noch genau, wann und wie das Wetter war. – Melanie Wald-Fuhrmann, Musikwissenschaftlerin

Schlüsselerlebnisse mit Filmmusik

Diejenigen, die von einem solchen Erlebnis berichten konnten, wussten tatsächlich meist noch viele Details. Die Geschichten waren sehr unterschiedlich, jedoch gab es einige Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel schilderten mehrere Personen, sich an ein Schlüsselerlebnis mit der Filmmusik von Star Wars zu erinnern. Sie waren derart gefesselt von der Musik, dass sie von da an mehr Filmmusik hörten oder auch ganz auf den Geschmack von sinfonischer Musik gekommen sind.

Welche Beispiele für Schlüsselerlebnisse gibt es noch und wie prägen sie den Musikgeschmack? Darüber hat sich Lars-Hendrik Setz im Forschungsquartett mit detektor.fm-Reportertin Eva Morlang unterhalten.

Melanie Wald-Fuhrman_foto_Antje PohseggerSolche Schlüsselerlebnisse haben das Potenzial, dass jemand über die Beschränkungen der eigenen Sozialisation über sich hinaus wachsen kann. Dass man Musik entdecken kann, die einem bisher vorenthalten wurde.Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmannist Direktorin der Abteilung Musik am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik.Foto: Antje Pohsegger