Forschungsquartett | Brauchen wir eine neue Definition von Gentechnik?

Gentechnik im Bier

21.02.2017

Wie streng sollte die Gentechnik reguliert werden? Darüber haben Wissenschaftler, Vertreter von Umweltverbänden, Juristen und Unternehmer in Berlin diskutiert. Wir fassen die Argumente zusammen.

Gentechnik: Richtlinie von 2001

16 Jahre ist die Richtlinie alt, in dem das EU-Parlament den Umgang mit Gentechnik regelt. Die Schrift von 2001 wird immer wieder den neuen Errungenschaften der Forschung angepasst. Experten sehen dennoch Bedarf für eine neue Richtlinie, die den gegenwärtigen Stand der Gentechnik berücksichtigen. Mittlerweile ist es nämlich mittels der CRISPR/cas Methode möglich, Pflanzen gentechnisch zu verändern, ohne dass es hinterher nachweisbar ist. Darin sehen einige Juristen und Wissenschaftler eine Gefahr.

Eine Rose, die war rot, machen wir weiß, dann machen wir sie wieder rot. Am Ende habe ich eine rote Rose; ich hatte am Anfang eine rote Rose. Ich kann nicht mehr nachweisen, dass sie zwischendurch mal weiß war. Wo ist denn, bitte schön, das Problem? – Tade Matthias Spranger, Jurist an der Uni Bonn

Zum Wohle der Verbraucher?

Sowohl im deutschen als auch im Europäischen Recht gilt der Schutz der menschlichen Gesundheit und Umwelt als Leitbild. Früher wurde Gentechnik mit Hilfe von chemischen Stoffen und radioaktiver Strahlung durchgeführt. Abgelöst wird sie heute weitgehend durch präzisere Methoden, von welchen Verbraucher schließlich auch profitieren könnten.

Ich glaube, wenn der Durchschnittsbürger wüsste, das quasi die gesamte europäische Gerste mittels radioaktiver Mutagenese erzeugt wurde, dann würde wahrscheinlich beim abendlichen Genuss des Bierchens der Schrecken einer Punktmutation seinen Schrecken verlieren. – Jens Kahrmann, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Wie ernähren wir die Weltbevölkerung morgen?

Die Befürworter der Gentechnik sind vor allem Wissenschaftler, die über die Forschung das Verständnis von der Natur erweitern wollen. Und Unternehmen erhoffen sich, mit dem optimierten Saatgut ein gutes Geschäft zu machen. Immer wieder erklären sie, warum die Gentechnik dabei helfen wird, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Umweltschützer und -verbände aber stellen diese These in Frage.

Wenn sie keinen Zugang zu Land haben, ist es völlig wurscht, ob sie eine gentechnisch veränderte Pflanze haben oder nicht. Dann können sie nichts anbauen. Wenn dieses Land durch den jahrelangen Bürgerkrieg minenverseucht ist, dann können sie auf diesem Land nichts anbauen. Wenn durch den Bürgerkrieg Wissen verloren gegangen ist, dann müssen wir dafür sorgen, als Weltgemeinschaft, dass dieses Wissen wieder entsteht, dass man Landwirtschaft betreiben kann. – Harald Ebner, Bündnis 90/Die Grünen

Hören Sie hier die Zusammenfassung der Veranstaltung „Brauchen wir eine neue Gentechnik-Definition?“ von Juliane Neubauer.