Forschungsquartett | Neue Software erkennt Charakterzüge

Das Fenster zur Seele

28.08.2018

Emotionen anhand von Mimik automatisch erkennen können, damit beschäftigt sich die Wissenschaft schon lange. Doch wie steht es um die dahinterliegende Persönlichkeit? Ein Forscherteam am Max-Planck-Institut in Saarbrücken hat ein Computersystem entwickelt, das anhand von Augenbewegungen Charaktermerkmale erkennt.

„Perceptual User Interfaces“ nennt sich das Projekt um Andreas Bulling. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nutzen sogenannte Eye-Tracker, um die Bewegung der Augen zu messen. Denn die sagen erstaunlich viel über unsere Persönlichkeit aus. Das Revolutionäre daran: nicht momentane Emotionen werden erkannt, sondern Charaktermerkmale vorausgesagt.

Eher schüchtern oder offen?

Beispielsweise fällt die Offenheit eines Menschen mit bestimmten Augenbewegungen zusammen. Um dies herauszufinden, haben Bulling und sein Team mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus Australien kooperiert. Diese hatten Daten über die Augenbewegungen von 40 Testpersonen gesammelt. Außerdem sollten die Probanden Fragebögen zu bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen ausfüllen. Diese Informationen haben schließlich die Basis für den Algorithmus des intelligenten Systems geliefert.

Es gab Arbeiten in der Psychologie, wo eben gezeigt wurde, dass Persönlichkeitsmerkmale Einfluss haben auf Augenbewegungen und unsere Frage war natürlich jetzt in dem Fall: Können wir den Weg sozusagen zurückgehen? Können wir durch die Analyse von Augenbewegungen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit ziehen?– Andreas Bulling, Max-Plack-Institut für Informatik

Die Transparenz der Persönlichkeit?

Technische Fortschritte wie diese werden natürlich nicht ohne Bedenken aufgenommen. Was, wenn ein solches System in die falschen Hände gerät? Hier gibt Andreas Bulling jedoch Entwarnung. Denn bis man die Persönlichkeit in einer Momentaufnahme erkennt, bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg. Viel wahrscheinlicher sind hingegen die positiven Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise für Menschen mit Autismus.

Bis das praktikabel wird, diese ganze Technologie, glaube ich fast, das viele andere Dinge schon deutlich gefährlicher geworden sind, wenn man da an soziale Netzwerke denkt, an viele andere Daten die wir eben als Nutzer jetzt schon hinterlassen.– Andreas Bulling

Wie ist es möglich, per künstlicher Intelligenz von den Augenbewegungen auf die Persönlichkeit zu schließen? Lassen sich solche pauschalen Aussagen überhaupt treffen? Darüber redet detektor.fm-Moderator David Seeberger mit Lara-Lena Gödde.

portraet_BullingDas wird sehr, sehr spannend sein, wenn man sich zum Beispiel vorstellen könnte, vielleicht durch Analyse von Objekten, die die Nutzer anschauen, dann noch bessere Vorhersagen zu treffen als jetzt rein über die Augenbewegungen.Andreas Bullingist Leiter der Forschungsgruppe "Perceptual User Interfaces" am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken. 

Redaktion: Lara-Lena Gödde