Forschungsquartett | Paludikultur

Moore: Zwischen Klimaschutz und Klimakiller

20.08.2015

Deutschlands Moore sind für die Landwirtschaft trocken gelegt. Dabei sind die nassen Landschaften wichtig für das Klima. Der Kompromiss: Mit Paludikulturen lassen sich Moore zeitgleich erhalten und landwirtschaftlich nutzen.

Beim Wort „Moor“ denken viele an Schauriges wie an Moorleichen und Moornebel, aber nicht unbedingt an Klimaschutz. Dabei speichern Moore tonnenweise klimaschädliche Treibhausgase. Trotzdem sind 95 Prozent der Moore in Deutschland trocken gelegt, um die Flächen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

Paludikultur: Kompromiss aus Landwirtschaft und Klimaschutz

Doch aus den klimafreundlichen Nasslandschaften werden echte Klimakiller, wenn sie trockengelegt werden. Denn dann geben Moore die Treibhausgase Kohlenstoffdioxid und Methan wieder frei, die sie über Jahre gespeichert haben. In Deutschland sorgen die trockengelegten Moorflächen für vergleichbar viele Treibhausgase wie der Flugverkehr.

An der Universität Greifswald wird deswegen unter dem Begriff Paludikultur bereits seit Jahren erforscht, wie sich Moore auch im nassen Zustand von der Landwirtschaft nutzen lassen. Dass der Kompromiss aus Landwirtschaft und Klimaschutz funktionieren kann, haben die Forscher in einem Modellversuch in Vorpommern beweisen können. Dafür wurde ihr Projekt „Vorpommern Initiative Paludikultur“ mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2013 ausgezeichnet. Bisher bleibt es jedoch bei den Pilot- und Modellversuchen:

Heute gibt es noch keine marktreifen Paludikultur-Verfahren, die auf einem industriellen Maßstab funktionieren würden. – Andreas Haberl, Moor- und Paläoökologe an der Universität Greifswald

Nasse statt trockene Moore

Die Entwässerung von Mooren ist nicht nur gefährlich für das Klima: Sie ist aufwändig, teuer und nicht nachhaltig. Denn das Moor wird dabei dauerhaft geschädigt oder sogar vollkommen zerstört.

Über lange Sicht verliert man das Moor einfach. Wir nennen das den Teufelskreis der entwässerungsbasierten Moornutzung: Das Moor sackt zusammen und muss dann noch tiefer entwässert werden. – Andreas Haberl, Moor- und Paläoökologe an der Universität Greifswald

Einmal trockengelegt sind Moore nur sehr schwer wiederherzustellen: Allein die Entwässerung zu stoppen, reicht nicht aus. Entscheidend für ein funktionierendes Moor-Ökosystem ist der exakte Wasserstand. Ist er zu niedrig, geben die wiederbelebten Moore weiter Kohlenstoffdioxid frei. Ist er zu hoch, entsteht das noch schädlichere Methan. Bis sich das richtige Gleichgewicht wieder einstellt, können vier bis zehn Jahre vergehen.

Wie lassen sich Moore wiederbeleben und landwirtschaftlich nutzen? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit Andreas Haberl gesprochen. Er ist Moor- und Paläoökologe an der Universität Greifswald und Mitarbeiter der Michael-Succow-Stiftung, die sich für die Erhaltung von Mooren einsetzt.

Andreas HaberlEigentlich ist das ein Paradigmenwechsel, der da passiert. Man muss jetzt lernen, dass die entwässerungsbasierte Nutzung von Mooren enorme gesellschaftliche Kosten verursacht und nicht nachhaltig ist.Andreas Haberlsieht großes Potenzial in der Paludikultur. 

Redaktion: Sandro Schroeder