Forschungsquartett | Politische Satire in Deutschland

War doch nur Spaß!

05.09.2017

Egal ob die "Heute-Show", "Neo Magazin Royale" oder "Postillon", auf Facebook und Twitter sind die Beiträge der politischen Satire-Magazine oft prominenter als die Beiträge klassischer Nachrichtenmedien. Warum ist das so?

Politische Satire im Wandel

Ursprünglich ist die politische Satire in Deutschland eng mit der Kabarett-Tradition verknüpft. Das Kabarett ist insbesondere an ein links-liberales Publikum gerichtet und die Kaberettisten sehen sich als Mahner gegenüber Politikern. Im Fernsehen, auf Facebook und auf Twitter, hat sich in den vergangenen Jahren jedoch immer mehr die us-amerikanische Variante der politischen Satire durchgesetzt.

Politische Satire ist da deutlich spielerischer. Sie nimmt sich selbst nicht so ernst und ist deutlich weniger moralisch. Dadurch ist sie für ein breiteres Publikum zugänglicher. Vergleicht man speziell die „Heute-Show“ mit ihrem amerikanischen Vorbild „The Daily Show“, erkennt man schnell, dass unter dem Chefmoderator John Stewart, deutlich mehr politische Stellung bezogen wird, als bei der „Heute-Show“. Sie ist mittlerweile amerikanischer als ihr Vorbild. – Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw forscht an der Universität Hamburg zu politischer Satire.

Die Wissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw erklärt dabei ihren aktuellen Forschungsstand. Denn politische Satire ist nicht mehr länger nur ein Unterhaltungselement in den Wohnzimmern. Längst sorgen die Satiriker im Fernsehen und online für viel Furore. Die Scherze sind zum Teil so gut gebaut, dass sie immer wieder für echt gehalten werden. Der „Postillon“ zum Beispiel macht sich jede Woche einen Spaß daraus, die Leute vorzuführen, die an ihre Meldungen glauben:

Katharina Kleinen-von Königslöw untersucht, welche Inhalte, speziell in der „Heute-Show“, verbreitet werden. Außerdem schaut sie, wer die Inhalte nutzt und anschaut. Dabei konnte sie feststellen, dass deutlich mehr Leute die Satiriker konsumieren, verteilen und andere Menschen online unter den Beiträgen verlinken, als es bei klassischen Medien.

Tschüss, klassische Nachrichten?

Man kann davon ausgehen, dass es aufgrund der Inhalte online noch mehr politische Satire geben wird. In Deutschland werden aber laut Kleinen-von Königslöw, die etablierten Medien nach wie vor stark bleiben und überwiegen. Lediglich in den USA sind die Satiriker heute deutlich populärer, da hinter vielen Geschichten mehr journalistische Tiefe herrscht und sie deutlich unterhaltsamer als in etablierten us-amerikanischen Medien aufbereitet sind.

Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw hat über ihre Forschung zur politischen Satire mit detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop gesprochen. Unter anderem klärt sie darüber auf, wo die Grenze zwischen satirischer Freiheit und einer Straftat liegt.

Pressefoto Katharina KleinenHeutzutage wird politische Satire besonders über soziale Medien verteilt. Lernen die Menschen aber etwas daraus oder macht es sie politikverdrossener? Katharina Kleinen-von Königslöwforscht an der Universität Hamburg zu Inhalten, Rezeption und Wirkung politischer Kommunikation. Foto: UHH, RRZ/MCC, Mentz