Forschungsquartett | Projekt AquaMak zur Wasserpest

Die nützliche Pest

16.07.2015

Die Pest wünscht man niemandem, auch nicht die Wasserpest. Dabei ist diese gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Zumindest haben die Forscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung zahlreiche Möglichkeiten gefunden, wie man die Wasserpflanze nutzen kann.

Ökologisch ist die Wasserpest relativ ungefährlich. Zwar bildet sie wegen ihres raschen Wachstums oft Monokulturen, aber Fische und andere Wasserbewohner kommen mit der Pflanze gut zurecht.

  • Elodeasilage. Etwas trockener als Sauerkraut, ist die vergorene Wasserpflanze haltbar für späteren Einsatz in der Biogasanlage,.
  • Prototyp der Elodea-Tagescreme. Gemeinsam mit einer Salbenmanufaktur hat das UfZ eine Creme aus der Wasserpest gewonnen.
  • Das Partheufer bei Leipzig. Andreas Zehnsdorf begutachtet die Elodeabestände.
  • Wasserpflanzen in der Parthe. Die dunklen Flecken sind Elodea Nutallii.
  • Elodea Nutallii: Die schmalblättrige Wasserpest.
  • Datierte Proben im Labor des UfZ. Durch die Veraschung bei 500 Grad Celsius bleiben die Probne auch haltbar. Sie dokumentieren so die Entwicklung der Pflanze an einem bestimmten Ort.
  • Pulversierte Elodea-Proben: Schon die Farbe weist auf Inhaltsstoffe hin.
  • Im Muffelofen wird das Pflanzenmaterial verascht.
  • Gerüttelt, nicht gerührt: In einer Art Shaker wird das erhitzte Pflanzenmaterial zu Pulver zerrieben.
  • Im Labor: Je nach gesuchtem Inhaltsstoff sind verschiedene Analyseverfahren nötig.

Weil sie aber den Menschen stört und Menschen dann Seen und Flüsse nicht mehr gut nutzen können, wird die Wasserpest (Elodea Nutallii) oft entfernt. Ähnliche Probleme gibt es auch mit anderen Wasserpflanzen, die häufig an Orten gedeihen, wo es dem Menschen nicht passt.

Was man mit den Pflanzenresten noch anfangen kann, und wie man deren Wachstum sogar nutze kann, daran forschen Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Bisher zeigen die Ergebnisse: Die Wasserpest ist gar nicht so nutzlos, wie sie im ersten Moment aussehen mag.

Prof. Andreas ZehnsdorfMan versucht bei der Nutzung immer mit den hochpreisigen Segmenten anzufangen: Kann ich aus den Rohstoffen etwas Interessantes für den pharmazeutischen Bereich herstellen? Oder kann ich Kosmetik herstellen?Prof. Andreas Zehnsdorfleitet das Projekt AquaMak am Umweltforschungszentrum. Foto: Mike Sattler 

Zum Beispiel bindet die Wasserpest überschüssigen Phosphor aus dem Boden der Gewässer. Phosphor gelangt oft durch landwirtschaftliche Düngung in den Wasserkreislauf und gefährdet in hoher Konzentration das ökologische Gleichgewicht. Erntet man die Wasserpest im Herbst, kann man mit der Pflanzenmasse auch den Phosphor entfernen. Der Clou: Mit Hilfe einer Biogasanlage kann die Pflanzenmasse danach wieder als Dünger auf die Felder gebracht werden und so einen neuen Kreislauf beginnen.

Die Wissenschaftler des Projektes AquaMak forschen auch dazu, wie man die Wasserpest noch verwenden kann. Etwa ob sich Inhaltsstoffe von Wasserpflanzen für pharmazeutische oder kosmetische Zwecke nutzen lassen. Aus der Wasserpest lässt sich etwa Hautcreme gewinnen.

Dr. Walter StinnerDa wir in Deutschland 7600 Biogasanlagen haben, findet sich prinzipiell an den meisten Orten in der Nähe eine Biogasanlage.Dr. Walter Stinnerforscht am Deutschen Biomasseforschungszentrum. Foto: Mike Sattler 

Redaktion: Mike Sattler