Forschungsquartett | Die psychologische Deutschlandkarte

Typisch Deutsche

18.09.2018

Was ist dran an den regionalen Stereotypen? Um das herauszufinden, haben Wissenschaftler Daten von über 70 000 Menschen gesammelt. Was sie dabei herausgefunden haben, zeigt die psychologische Deutschlandkarte.

Die großen Fünf

Rheinländer sind gesellig, die Norddeutschen wirken unterkühlt und Süddeutsche haben es gern gemütlich. Stereotype wie diese gibt es über wahrscheinlich jede Region in Deutschland. Doch was ist dran? Genau das soll das „Big Five Project“ herausfinden. Bei den sogenannten Big Five handelt es sich um fünf Persönlichkeitsmerkmale: Offenheit für neue Erfahrungen, Geselligkeit, Empathie, Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität.

Big Five ist ein von Psychologen entwickeltes Konzept. Es geht davon aus, dass man die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen anhand dieser fünf Merkmale beschreiben kann. – Dr. Michael Fritsch, Wirtschaftswissenschaftler, Friedrich-Schiller-Universität Jena

  • Geselligkeit (Extraversion) | Grafik: Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Gewissenhaftigkeit | Grafik: Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Geringe emotionale Stabilität (Neurotizismus) | Grafik: Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Offenheit | Grafik: Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Verträglichkeit | Grafik: Friedrich-Schiller-Universität Jena

Erste psychologische Deutschlandkarte

An dem Projekt haben über zehn Jahre um die 73 000 Menschen teilgenommen. Dafür mussten sie auf einer Internetseite 44 Fragen beantworten. Aus diesen Antworten wurden dann die Persönlichkeitsprofile erstellt. Kombiniert man dann diese Profile mit ortsbezogenen Daten, lässt sich eine Art psychologische Deutschlandkarte entwerfen. Der Wirtschaftswissenschaftler Michael Fritsch hat genau das gemeinsam mit seinen Kollegen gemacht. Große Überraschung hat er dabei nicht entdeckt.

In unserer Untersuchung haben wir das erste Mal für Deutschland repräsentative Daten erhoben und ausgewertet. Wir haben dabei tatsächlich einige Bestätigungen für solche Vorurteile bekommen. […] Es gibt Stereotype wie den geselligen Rheinländer, den wir ansatzweise gefunden haben. Das Vorurteil des findigeren Süddeutschen finden wir in unseren Daten genauso. – Michael Fritsch

Alles eine Frage des Standorts?

Dass viele der deutschen Lokal-Stereotypen richtig sind, ist nicht bloß ein spannender Funfact für den Small-Talk. Die Ergebnisse sollen stattdessen zum Beispiel Fragen der Marktforschung beantworten. So haben Fritsch und seine Kollegen zum Beispiel das Konzept der „unternehmerischen Persönlichkeit“ entwickelt. Dabei geht es um die Frage, welche Persönlichkeitsmerkmale Menschen in Regionen aufweisen, in denen mehr oder erfolgreicher Unternehmen gegründet werden als in anderen.

Prof. Dr. Michael Fritsch, Lehrstuhl für Unternehmensentwicklung, Innovation und wirtschaftlichen Wandel an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Jena (Foto vom 26.09.2013). Foto: Jan-Peter Kasper/FSUUnser Ziel ist es, diese sogenannten weichen Standortfaktoren zu analysieren und den Einfluss auf wirtschaftliche Entwicklung oder auf das Ausmaß an Unternehmungsgründung zu erklären. Das kann man mit diesen Daten relativ gut untersuchen.Dr. Michael FritschWirtschaftswissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena 

Welche Stereotype stimmen, welche nicht? Und wie kommen solche regionale Unterschiede überhaupt zustande? detektor.fm-Moderator Lars-Hendrik Setz hat mit dem Wirtschaftswissenschaftler Michael Fritsch über die psychologische Deutschlandkarte gesprochen.

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