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Foto: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com
Bild: Alexandros Michailidis | Shutterstock.com

Forschungsquartett | Riots

Ein unklarer Begriff

Egal, ob 2005 in den Pariser Vororten, beim G20-Gipfel in Hamburg oder den antirassistischen Protesten in den USA: Alle werden sie als Riots betitelt. Dabei sind die Fälle kaum vergleichbar. Was meint also dieser uneindeutige Begriff?

Riots: Ein Begriff, viele Übersetzungen

Riot bedeutet übersetzt: Unruhe, Aufstand, Krawall, Tumult oder Ausschreitung. Ein wahres Sammelsurium verschiedener Begriffe mit unterschiedlichen Konnotationen also. Trotzdem wird der Begriff „Riots“ auch in der deutschen Wissenschafts- und Medienlandschaft immer populärer.

Der Begriff „Gewalt“ sagt prinzipiell erstmal überhaupt nichts aus, sondern hat eher die Funktion, etwas zu skandalisieren.

Julika Mücke, Institut für Protest- und Bewegungsforschung

Egal, ob die Unruhen in den Pariser Banlieus von 2005, die Proteste zum G20-Gipfel in Hamburg von 2017 oder die jüngste Protestwelle in den USA – alle werden sie hier und da als „Riot“ betitelt. Dabei sind diese Vorkommnisse nicht immer miteinander vergleichbar. Ein Begriffsvorschlag, der präziser und weniger emotionalisiert ist, lautete „gewaltvollen Ausschreitung“. Das klingt zwar nicht so elegant, beschreibe die Realität aber besser, meint Philippe Greif:

Ich glaube, wesentlich ist eine kollektive Gewaltanwendung. Gewaltvolle Ausschreitung wäre eine Arbeitsdefinition, die ich vorschlagen würde.

Phillipe Greif, Politologe am Dissens Institut für Bildung und Politik

Phillipe Greif, Politologe am Dissens Institut für Bildung und Politik

Um besser zu verstehen, wieso es zu solchen Ausschreitungen kommt, müsse der Einzelfall mehr in den Fokus gerückt werden. Durch Fragen wie: Wer sind die beteiligten Akteure? Wo finden die Ausschreitungen statt und welche strukturellen Mechanismen wirken hier, können wir besser verstehen, was hinter der jeweiligen Form von Gewalt steckt. Außerdem sei es wichtig, mit den Beteiligten zu sprechen. Der große Begriff „Riots“ verhindere diese Form der Auseinandersetzung eher.

Trennschärfe statt Emotionalisierung

In dieser Folge des Forschungsquartetts widmen sich detektor.fm-Redakteur Jonas Junack und detektor.fm-Moderatorin Leora Koch den Fragen, wie sich gewaltvolle Ausschreitungen analysieren lassen, welche Rolle Gewalt in der öffentlichen Wahrnehmung dabei spielt und welche Probleme mit dem Riot-Begriff einhergehen. Darüber haben wir mit Phillipe Greif vom Dissens Institut für Bildung und Forschung und Julika Mücke vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung gesprochen.