Forschungsquartett | Schlafforschung

Wieso der Mensch schlafen muss

06.09.2016

Warum genau wir schlafen, ist bisher noch ungeklärt. Wissenschaftler haben nun aber zumindest eine Funktion des Schlafes herausgefunden: Das Gehirn räumt über Nacht auf, was sich tagsüber angesammelt hat.

Geheimnisse der Schlafforschung

Die Schlafforschung tappt im Dunkeln. Warum Menschen und Tiere eigentlich schlafen, ist nämlich immer noch ungeklärt. Klar ist, dass der Schlaf für die Regeneration des Körpers wichtig ist und Menschen den Schlaf zum Überleben brauchen. Der Grund dafür ist aber unbekannt. Zu den Funktionen des Schlafes gibt es eine Reihe von Hypothesen. Er könnte evolutionsbiologisch durch die Anpassung an wechselnde Licht- und Temperaturverhältnisse bedingt sein. Außerdem spielt er eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Neugeborenen. Wichtig ist er außerdem für unser Gehirn.

Im Schlaf wird unser Gehirn „rekalibriert“

Eine bedeutende Funktion unseres Schlafes konnten Wissenschaftler am Universitätsklinikum Freiburg herausfinden. Während wir schlafen, räumt unser Gehirn das auf, was sich tagsüber angesammelt hat. Unser Gehirn speichert Informationen, indem Verbindungen zwischen Nervenzellen hergestellt werden, und im Laufe eines Tages entsteht eine Vielzahl solcher Verbindungen.

Prof. Dr. Christoph NissenWir konnten jetzt erstmals beim Menschen zeigen, dass Schlaf die Synapsen wieder herunterregelt und damit Platz für neue Informationen schafft. Das Gehirn räumt also im Schlaf auf.Prof. Dr. Christoph Nissenvom Universitätsklinikum Freiburg. 

Nicht alle dieser Verbindungen sind wichtig. Sie alle führen aber zu einer hohen Gesamtverbindungsstärke. Im Schlaf reduziert unser Gehirn diese Verbindungen und reguliert damit die Verbindungsstärke auf ein mittleres Maß. Nach ausreichend Schlaf ist das Gehirn dann wieder in der Lage, adäquat auf seine Außenwelt zu reagieren.

Übersättigungsgefahr durch Schlafmangel

Bekommt das Gehirn keinen Schlaf, so entfällt die Regulierung der Gesamtverbindungsstärke. Sie bleibt auf einem hohen Niveau. Die Wissenschaftler am Freiburger Universitätsklinikum haben mit einer Transkraniellen Magnetstimulation getestet, wie sich das auf das Verhalten auswirkt. Bestehen viele Nervenzellverbindungen im Gehirn, etwa weil durch Schlafentzug keine Regulierung erfolgen konnte, so reicht ein schwacherer Reiz, um eine Muskelreaktion auszulösen. Gleichzeitig ist aber auch die Fähigkeit zur Verbindung neuer Nervenzellen vermindert.

detektor.fm-Redakteur Konstantin Kumpfmüller hat sich mal genauer angeschaut, was es mit dem Schlafen auf sich hat.