Forschungsquartett | Scifi aus dem Ostblock

Auf utopischer Mission

08.01.2019

Science-Fiction aus dem sozialistischen Osteuropa steht im Schatten seines Pendants aus dem Westen. Doch auch hinter dem Eisernen Vorhang sind spannende Filmprojekte entstanden. Und die verraten einiges über die Gesellschaft, aus der sie kommen.

Wettlauf ins All

Als im Jahr 1957 der Satellit “Sputnik” in die Erdumlaufbahn geschossen wird, scheint der Wettlauf ins All entschieden. In Wahrheit folgen aber Jahrzehnte des Wettstreits zwischen Ost und West, die auch Auswirkungen auf die kulturelle Sphäre haben. Denn schon von Beginn an begleiten Science-Fiction-Filme die Weltraumprogramme in den USA und im sozialistischen Osteuropa.

Gerade die frühen westlichen Produktionen sind dabei thematisch vielfältiger als die aus dem Osten. Maciej Peplinski vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) promoviert derzeit zum Thema Science-Fiction im ehemaligen Ostblock. Dass sich die Themen in den Ost- und West-Produktionen unterscheiden, hat für ihn vor allem politische Gründe:

Es gab Tabus. Man durfte zum Beispiel nicht über sehr weite Zukunft sprechen. Man durfte auch nicht von Treffen mit Außerirdischen, also ‚First Contact‘-Geschichten erzählen. – Maciej Peplinski, Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)

Utopisches Ideal im Ostblock

In den sozialistischen Staaten steht Science-Fiction von Beginn an für viel mehr als Unterhaltung. Die Filme sollen zwar spannend sein, die Menschen ins Kino locken. Gleichzeitig müssen sie didaktisch sein und ein Bild von einer positiven, sozialistischen Zukunft vermitteln.

Es gibt zum Beispiel Geschichten vom Film ‚Der schweigende Stern‚, der erste DDR-Film, bei dem es insgesamt sieben Versionen von einem Drehbuch gab, an dem zwölf Autoren geschrieben haben. So komplex waren diese Versuche, den Film möglichst attraktiv für das breite Publikum zu machen und gleichzeitig ideologisch korrekt. – Maciej Peplinski

Was Science-Fiction aus dem ehemaligen Ostblock ausmacht und wie sich das Format im Laufe der Zeit gewandelt hat, bespricht detektor.fm-Moderator Lars-Hendrik Setz mit Lukas Gilbert. Er hat sich mit Maciej Peplinski vom GWZO getroffen, der momentan zu Science-Fiction im ehemaligen Ostblock promoviert.

Redaktion: Lukas Gilbert


Ab dem 15. Januar veranstaltet das GWZO in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Luru-Kino die Filmreihe „KosmOst. Science-Fiction-Filme aus Osteuropa 1959-1989„.