Forschungsquartett | Soziale Roboter

Fehlendes Fingerspitzengefühl

11.07.2017

Forscher arbeiten bereits seit Jahren unter Hochdruck an sozialen Robotern. Sie sollen künftig Menschen in allen Lebenslagen unterstützen. Aber kann eine Maschine so emphatisch und sozial sein wie der Mensch?

Menschenähnlich

Eine beruhigende Stimme, ein schönes Lächeln, weiche Züge – Roboter sehen schon längst nicht mehr so aus, wie wir sie aus Science-Fiction-Filmen, wie „Robocop“ kennen. Vielmehr wird heute Wert darauf gelegt, dass die Maschinen besonders niedlich sind und damit auf das Gegenüber beruhigend wirken. Denn in Zukunft sollen Roboter vermehrt auch in der Pflege, in der Kinderbetreuung oder im Büro eingesetzt werden. Das alles, um uns Menschen den Alltag ein wenig zu erleichtern. Das Ganze nennt sich „Sozial-Robotik„.

Die intelligenten Computersysteme der Zukunft sollen aber nicht nur lernen selbst Mimik zu zeigen, sondern auch die der Menschen lesen zu können. Das könnte unter anderem bei dem Projekt in Bielefeld helfen. Denn dort tüfteln Forscher an einem Maschinen-Lehrer, der Einwandererkindern beim Deutschlernen helfen soll. Nao kann sehen, hören und bald auch die Stimmungslage seines Gegenübers einschätzen – und so zum Beispiel auf Unlust reagieren.

Dr. Andreas Bischof (Foto: Jan-Philip Stein / TU Chemnitz)Auf die Zwischentöne hören oder sich aus dem Kontext etwas erschließen, das können Roboter nach wie vor nicht so gut.Dr. Andreas Bischof schaut optimistisch auf die Zukunft mit sozialen Robotern. (Foto: Jan-Philip Stein / TU Chemnitz) 

Uncanny Valley

Mit jedem weiteren Fortschritt den die Forscher machen, steigt auch die Skepsis gegenüber den kleinen Alltagshelfern. Dazu haben sicherlich auch unzählige Filme wie Ex Machina oder Metropolis beigetragen, die alle Fantasien beflügen und gleichzeitig Dystopien im Kopf zeichnen. Auch hier spielt das Äußere eine Rolle. Mit der wächsenden Ähnlichkeit der Roboter, wächst auch das Vertrauen des Menschen. Doch wenn der Roboter sich zu sehr angleicht, dann ruft das bei vielen Befremdung hervor. Experten sprechen bei diesem Phänomen vom „Uncanny Valley„, also „unheimliches Tal“.

Doch auch hier gibt es kulturelle Unterschiede. Während die meisten Europäer sich vorsichtig optimistisch geben, scheinen soziale Roboter in Japan zum Beispiel schon Alltag zu sein.

Über soziale Roboter forschen

Ein Bereich, in dem der Mensch garantiert noch nicht von den Robotern eingeholt wird, ist das Studium über die technischen Helfer selbst. Dem hat sich Dr. Andreas Bischof gewidmet. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Chemnitz. Seine Ergebnisse hat der Soziologe nun in dem Buch „Soziale Maschinen bauen – Epistemische Praktiken der Sozialrobotik” zusammengefasst.

Über seine Forschung und die Zukunft sozialer Roboter haben Dr. Andreas Bischof und detektor.fm-Moderatorin Carina Fron gesprochen.