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Bild: riggleton | shutterstock.com

Forschungsquartett | Sprache lernen

Einzigartig menschlich

Unser Gehirn ist in der Lage, schon früh ein extrem komplexes Sprachsystem zu lernen. Aber wie macht es das? Vor allem in so kurzer Zeit? Diese Frage haben wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft gestellt.

Eine Frage der Methode

Wie kann man sich einem so komplexen System wie der Sprache nähern?

Die renommierte Neurowissenschaftlerin Angela Friederici möchte verstehen, was die neurobiologischen Voraussetzungen für den Spracherwerb sind. Das heißt, sie schaut sich mit bildgebenden Verfahren das menschliche Gehirn an, und vergleicht jenes von Kindern mit dem Gehirn von Erwachsenen.

Die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) zeigt beispielsweise an, welche Gehirnareale besonders stark durchblutet und damit aktiv sind. Angela Friederici und ihr Team konnten in ihrer Forschung zeigen, dass bestimmte Verbindungen zwischen zwei Arealen erst im Laufe der Zeit entstehen. Ein Prozess, der bisher nur im menschlichen Gehirn entdeckt wurde.

Wörter können gelernt werden, sowohl von Hunden als auch von Papageien. Aber, das, was uns Menschen auszeichnet, ist, dass wir Wörter kombinieren können und daraus Sätze und Phrasen bilden. – Angela Friederici

Anders nähert sich die Psycholinguistin Caroline Rowland vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen dem Thema. Sie lässt zum Beispiel Kinder sprechen und analysiert anschließend die Audioaufnahmen.

Wenn wir an Sprachenlernen denken, dann geht es besonders ums Sprechen. Die meisten Leute denken daran, wie Kinder erst Wörter lernen und dann Sätze. Was Kinder tatsächlich machen, ist, dass sie Infomationen aus ALLEM ziehen. Sie achten nicht nur darauf, was du sagst, sondern auch auf deine Gesichtsausdrücke oder deine Gesten. Sie achten auch darauf, was in ihrer Umgebung ist, was sie sehen, riechen, anfassen und fühlen können. – Caroline Rowland

Die Sprache der Singvögel

Tiere haben zwar keine Sprache wie wir Menschen, aber auch sie kommunizieren mit ihren Artgenossen. Besonders interessant für die Forschung sind erlernte Laute. Zum Beispiel der Gesang von Singvögeln.

In den Gehirnen von Zebrafinken haben Forschende vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen ähnliche Strukturen wie im Sprachzentrum des Menschen festgestellt.

Die Entwicklung von so einem Gesang kann man auch mit der Entwicklung der menschlichen Sprache korrelieren. Erst äußert der Vogel eine Art Gebrabbel, und das wird dann immer strukturierter. – Stefan Leitner, Ornithologe in Seewiesen

Das aktuelle Forschungsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft beschäftigt sich mit dem Thema „Lernen“. detektor.fm-Moderatorin Lara-Lena Gödde hat sich im Podcast mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über das Phänomen Sprache unterhalten.