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Kuzmin Mikhail | shutterstock.com
Bild: Kuzmin Mikhail | shutterstock.com

Forschungsquartett | Tierwelt und Corona-Lockdown

Fitbits für Füchse

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich das Leben massiv verlangsamt. Wir sind weniger unterwegs und besonders in den Städten ist es in den letzten Monaten stiller gewesen als je zuvor. Wie reagiert die Tierwelt auf diese „Anthropause“, die Pause vom Menschen?

Das „Internet der Tiere“

Die „COVID-19 Bio-Logging Initiative“ ist eine Kooperation verschiedener Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die die Auswirkungen des Lockdowns auf die Tierwelt untersuchen. Dabei können sie auf einen bereits bestehenden Datenschatz zurückgreifen: das „Internet der Tiere“. Hier stattet man möglichst viele Arten mit Aktivitätstrackern, eine Art Fitnessarmband für Tiere, aus.

Wir haben inzwischen fast zweieinhalb Milliarden GPS-Punkte von Tieren in der Datenbank und drei Milliarden Verhaltensweisen. Also es geht ganz schnell, dass das nach oben geht in der Datenmenge. Das sind jetzt wirklich schon Big Data.

Martin Wikelski

Martin WikelskiFoto: Mark Thiessen / National Geographic Society

Die Bewegungsdaten sind für jeden und jede in der „Movebank“ abrufbar. Wissenschaftler Martin Wikelski und sein Team am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz erhoffen sich dadurch ein besseres Bewusstsein für unsere tierischen Mitbewohner und ihre Bedürfnisse.

Tierwelt im Lockdown?

Welche langfristigen Auswirkungen unser Pandemiebedingter Rückzug auf die Tierwelt hat, das können Wikelski und sein Team noch nicht genau sagen. Doch eines lässt sich bereits beobachten: Während wir uns zurückziehen, kehren die Tiere zurück auf die Straßen und in die Städte.

Manche Tiere, die sich bereits sehr an das Zusammenleben mit dem Menschen gewöhnt haben, müssen sich allerdings umstellen. So hat man beispielsweise im Yellowstone National Park beobachtet, dass Raben, die sich nun nicht mehr auf Essensreste von Touristinnen und Touristen verlassen können, sich andere Nahrungsquellen erschließen müssen.

Wie das „Internet der Tiere“ entsteht und wie die Daten den Rückzug des Menschen widerspiegeln, darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Lara-Lena Gödde mit Martin Wikelski. Er ist Zoologe am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz und am Projekt „COVID-19 Bio-Logging Initiative“ beteiligt.