Forschungsquartett | Forschung für mehr Tierwohl

Empfinden Tiere Glück?

14.07.2016

Am liebsten kommt die Milch von glücklichen Kühen und das Schnitzel vom glücklichen Schwein. Ob die Tiere aber glücklich sind, kann man sie nicht fragen. Es gibt aber Wege herauszufinden, wie sich das Tierwohl steigern lässt.

Bei der Erforschung des Tierwohls stehen wir noch ziemlich am Anfang, meint Prof. Dr. Volker Stefanski. Er untersucht am Institut für Nutztierwissenschaften der Universität Hohenheim, was Tiere wollen und wie ihr Wohlbefinden gesteigert werden kann. Emotionen wie Glück lassen sich nicht messen. Gewisse Analogien zum menschlichen Glücksempfinden könnte es aber geben.

Wollen Nutztiere mehr Platz? Besseres Futter? Oder gar angenehme Musik? Herauszufinden, was das Tierwohl steigert, ist gar nicht so leicht. Zunächst lässt sich nur messen, was Tiere nicht wollen. Leiden Tiere, erhöht sich der Stress und es werden entsprechende Hormone ausgeschüttet. Die lassen sich messen. Will man mehr als nur Stressvermeidung, muss erforscht werden, welche Umwelt sich Tiere selbst aussuchen, wenn sie vor die Wahl gestellt werden.

Tierversuche für das Tierwohl

Im Versuch mit Schweinen lässt sich feststellen, was Tieren guttut und welche Veränderungen der Lebensumwelt unwichtig für sie sind. Die Schweine können zum Beispiel wählen, welchen Untergrund sie angenehmer finden, und entscheiden sich für ein Substrat, in dem es sich gut wühlen lässt. Der Untergrund scheint Schweinen wichtiger zu sein als etwa Metallketten oder anderes Spielzeug.

Außerdem wird untersucht, wofür Schweine auch bereit sind zu „arbeiten“. Wenn den Tieren die veränderte Lebensumwelt wert ist, einen Schalter zu betätigen oder gegen einen Widerstand eine Tür zu öffnen, zeigt sich, wie wichtig sie für das Tierwohl ist. Aus den Versuchen mit Schweinen lassen sich auch Schlüsse auf andere Tiere ableiten.

Laufmatten und Kratzbürsten

Schon jetzt sind beispielsweise weiche Laufmatten für Rinder oder Kratzbürsten für Schweine im Einsatz. Es muss nicht immer mehr Platz sein, damit es den Tieren gut geht. Wichtig ist vielmehr, eine Umgebung zu schaffen, in der es den Tieren möglich ist, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Die Idee des Tierwohls lässt sich also auch in die kommerzielle Tierhaltung integrieren. Wie genau, wird noch erforscht.

detektor.fm-Redakteur Konstantin Kumpfmüller hat sich bei dem Verhaltensphysiologen Prof. Dr. Volker Stefanski nach dem Stand der Tierwohlforschung erkundigt.