Forschungsquartett | Trinkwasser-Monitoring

Bessere Überwachung unseres Trinkwassers

29.11.2016

Trinkwasser gilt in Deutschland als eines der sichersten Lebensmittel. Das liegt auch an der kontinuierlichen Überwachung. Die bisher übliche Methode des Monitorings dauert aber sehr lange. Das soll sich dank eines Projekts aus Magdeburg bald ändern.

Trotz der Überwachung des Trinkwasser-Systems kann es immer wieder zu Verunreinigungen kommen. Einerseits können Mikroorganismen, die schon im Rohwasser vorhanden sind, auch nach der Aufbereitung noch im Trinkwasser stecken. Andererseits kann es bei der Aufbereitung zu Pannen kommen. So geschehen 1993 in Milwaukee. Damals erkrankten 403.000 Personen an Cryptosporidiosis, einer Durchfallerkrankung. 70 Menschen starben.

Dank gesetzlicher Vorschriften wie der Trinkwasserverordnung wird in Deutschland die Wasserqualität regelmäßig untersucht. Für gewöhnlich wird dafür Wasser auf Petrischalen aufgetragen, in einen Inkubator gebracht und darauf untersucht, ob und welche Kulturen sich dort anreichern. Das Verfahren dauert mindestens 18 Stunden. Erst dann können etwaige Erregerkulturen analysiert werden.

Schnelleres Trinkwasser-Monitoring

In diesen 18 Stunden läuft das Wasser aber einfach weiter. Im Ernstfall dauert das zu lange. Außerdem wird in der heute üblichen Art des Monitorings meist nur auf drei Indikatorbakterien hin untersucht: Escherichia coli, Enterococcus faecalis und Pseudomonas aeruginosa. Das neue System, das seit drei Jahren am Helmholtzzentrum für Umweltforschung entwickelt wird, verspricht eine gründlichere und vor allem schnellere Überwachung. Bei dem als EDIT bezeichnete Verfahren wird ein Kubikmeter Wasser zunächst filtriert, bis nur noch 20 Liter und am Ende nur noch etwa fünf Mikroliter Konzentrat übrig sind. Dieses Konzentrat wird dann mikrobiologisch untersucht.

Ein Hauptziel unseres Projekts war es, ein schneller arbeitendes System zu entwickeln. Derzeit brauchen wir etwa fünf Stunden für den Vorgang. Dr. Daniel KartheKoordinator des Projekts EDIT 

Die DNA- oder RNA-Stränge der lebenden Zellen werden dann vervielfältigt und analysiert. Stößt EDIT dabei auf problematische Erreger, kann der jeweilige Wasserversorger automatisch benachrichtigt werden.

Von der Entwicklung zur Marktreife

In Wasserwerken in Berlin, Magdeburg und Marburg laufen bereits erste Filtrations- und Analyseanlagen. Bis zur Marktreife des Systems wird es aber trotzdem noch ein paar Jahre dauern. Die Trinkwasserverordnung müsste dementsprechend angepasst und EDIT als Alternative zum bisherigen Kultivierungsverfahren zugelassen werden.

Ein Beitrag von Konstantin Kumpfmüller.