Forschungsquartett | Überimitation: soziales Lernen bei Hunden

Frauchen macht es vor

22.01.2019

Der beste Freund des Menschen zeigt ein spezielles soziales Verhalten, das bisher nicht einmal bei Primaten nachgewiesen werden konnte. Das zeigt eine Studie der Veterinärmedizinischen Fakultät in Wien.

Eine besondere Beziehung

Keine Frage, die Beziehung zwischen zwei verschiedenen Spezies ist selten so intensiv wie in der Hund-Mensch-Beziehung. Das ist auch deshalb so, weil die Kommunikation zwischen beiden meist ganz gut funktioniert.

Hunde lesen ihren Menschen regelrecht. Die Veterinärmedizinische Fakultät in Wien forscht an genau dieser Kommunikation und daran, wie Hunde eigentlich lernen. Und dabei haben die Forscher eine ganz besondere Sache entdeckt: Hunde besitzen offenbar die Fähigkeit der Überimitation, eine spezielle Art des sozialen Lernens. Ziemlich revolutionär, denn das Verhalten kennt man bis jetzt nur von Menschen.

Soziales Lernen: die Überimitation

Bei der Überimitation kopiert man eine offensichtlich irrelevante Handlung. Also eine Handlung, die zu keinem bestimmten Ziel führt. Zu beobachten ist dies etwa bei Kindern. Ein Beispiel: Wenn ein Erwachsener mit einer Feder an einer Box mit einer Süßigkeit entlangstreicht und anschließend die Box öffnet, um an die Süßigkeit zu gelangen, machen Kinder diese erste Handlung oft nach. Und dass, obwohl sie für das Ziel, an die Süßigkeit zu gelangen, keinen Nutzen hat.

Wenn Menschen so großspurig schon sagen, dass sei eine rein menschliche Eigenschaft, dann frage ich immer: Wie wisst ihr das denn? Wie viele Tiere habt ihr schon getestet? – Ludwig Huber, Vergleichende Kognitionsforschung, Vetmed Uni Vienna

„Clever Dog Lab“

Die Kognitionsforscher an der Veterinärmedizinischen Fakultät in Wien wollten im „Clever Dog Lab“ nun herausfinden, wie genau Hunde lernen und ob auch sie diese Überimitation zeigen. Und tatsächlich: Hunde ahmen die sinnlosen Handlungen ihrer Herrchen und Frauchen nach. Beim Menschen ist diese Form der Nachahmung vermutlich sozial bedingt. Und auch bei Hunden könnte die Überimitation durch die enge Beziehung zu ihren Haltern auftreten.

Warum Hunde Kindern vielleicht doch ähnlicher sind, als man denkt, darüber hat Redakteurin Bernadette Huber mit detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop gesprochen.

A 4521018Diese Studie zeigt wieder einmal, dass diese enge Beziehung auch artübergreifend zu unseren Haustieren vorkommt. Das ist für die große Frage der Mensch-Tier-Beziehung und der davon abgeleiteten Frage der Tierethik ganz wesentlich.Prof. Dr. Ludwig Huberist Leiter der vergleichenden Kognitionsforschung am Messerli Institut der Vetmed Uni in Wien.