Forschungsquartett | Vernetzung von Mensch und Technik

Wie die Haut zur Benutzeroberfläche wird

26.03.2015

Seit wir Smartphones besitzen, drücken und wischen wir auf ihnen herum. Forscher arbeiten nun an neuartigen Benutzeroberflächen - auf der Haut.

I’m a Cyborg, but that’s ok

Cyborg, dieser Begriff lässt aufhorchen – meist verbindet man ihn mit dystopischer Science-Fiction. Bekanntes Beispiel sind etwa die ‚Borg‘ aus der Serie Star Trek: Die Borg sind eine Mischung aus Lebewesen und Maschine mit dem unermüdlichen Ziel andere Rassen zu assimilieren. Assimilierte Individuen werden zu Drohnen gemacht und mit Implantaten und Nanotechnologie ausgestattet. Den Menschen besser mit der Technik zu vernetzen oder zu verbinden, das ist auch erklärtes Ziel einer Forschungsgruppe des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken.

Einer der Forscher, Martin Weigel, stellt auf der Computermesse Cebit 2015 eines ihrer Projekte vor. Wie ein angsteinflößender Borg sieht er nicht aus, im Gegenteil: Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht legt er sich einen durchsichtigen Sticker auf die Haut – das so genannte iSkin:

MartinWeigel_MPI_Informatik_MaxHeekeWir haben hier einen elastischen, flexiblen Sensor, der auf der Haut getragen werden kann, um mit mobilen Geräten zu interagieren.Martin Weigel forscht am Max-Planck-Institut für Informatik am iSkin-Verfahren 

Vernetzung von Mensch und Technik

Technische Geräte sind uns immer näher gekommen, meist tragen wir sie in der Hosentasche als Smartphone oder mp3-Player oder manche auch als Smartwatch am Arm. Die Bedienung dieser Geräte erfolgt über die berührungsempfindlichen Displays. Das funktioniert meist ganz gut, kann aber in manchen Situation umständlich werden. Gibt es Alternativen, haben die Forscher des Max-Planck Instituts überlegt und sind auf die Haut gekommen: Warum nicht einfach die Haut zur Benutzeroberfläche machen? Und so entwickelten sie Silikon-Sticker, die man auf die Haut kleben kann. In diese Sticker sind Sensoren eingearbeitet, die bei Berührung Signale erzeugen und an Endgeräte übermitteln können.

  • Drückt man auf den Sticker, wird ein Signal ausgelöst, dass über eine Kontrolleinheit an ein Endgerät weitergeleitet wird- wie hier ein Musikplayer.
  • Das sind nur einige Beispiele: eine rollbare Tastatur, ein Fingerhut, und ein Sticker, den man wie ein Headset am Ohr anbringen kann. Foto: Max Heeke
  • Die Sticker werden mit einem Kleber aufgetragen und können jederzeit entfernt werden. Bei ihrer Forschung haben die Informatiker auch mit Medizinern zusammengearbeitet- um Allergien oder andere Reaktionen der Haut zu minimieren. Foto: Max Heeke
  • Alt trifft neu: eine alte Armbanduhr trifft auf eine ausrollbare Tastatur- für Smartwatches oder andere Geräte. Foto: Max Heeke

Ein neuer Zugang in die digitale Welt

Das Projekt iSkin könnte die Bedienung digitaler Geräte vereinfachen und verbessern. An einem ähnlichen Projekt arbeiten auch andere Forscher des Max-Planck-Instituts für Informatik: Im Projekt PrintScreen haben sie ein Verfahren entwickelt, mit dem man Displays selbst gestalten und auf verschiedene Materialien drucken kann.

SimonOlberding_MPI_Informatik_MaxHeekeWir glauben, dass in der Zukunft immer mehr Produkte ganz individuell und ganz personalisiert werden können. Wir sehen das mit dem 3D-Druck wie man Objekte ganz individuell gestalten kann. Aber bei Displays ist das bisher noch nicht möglich.Simon Olberdingforscht am PrintScreen-Verfahren 

Diese Displays lassen sich am Computer mit einfachen Grafikprogrammen gestalten und dann in verschiedenen Größen drucken. Die Displays können direkt benutzt werden:

Michael_Wessely_MPI_Informatik_MaxHeekeWir haben eine Technologie entwickelt, die es erlaubt, das Display selbst als Sensor zu benutzen. Michael Wesselyforscht ebenfalls am PrintScreen-Verfahren 
  • Eine leuchtende Blume: Schöne Spielerei... Foto: Uni Saarland/Embodied Interaction Group
  • ...mit vergleichsweise einfachem technischen Aufwand: Die Displays lassen sich etwa über PowerPoint gestalten und mit gewöhnlichen Druckern ausdrucken. In der Tinte ist leitfähiges Material eingebaut, dass als Sensor dient. Foto: Uni Saarland/Embodied Interaction Group
  • Mit Printscreen kann man Displays für jeden Zweck selbst drucken: Das Beispiel zeigt Displays, um leichter auf soziale Netzwerke zugreifen zu können. Foto: Uni Saarland/Embodied Interaction Group

detektor.fm-Reporter Max Heeke hat die Wissenschaftler Martin Weigel, Simon Olberding und Michael Wessely auf der Cebit 2015 getroffen und stellt ihre Forschung zur Mensch-Computer-Interaktion vor.