Forschungsquartett | Wie sich Schüler im Auslandsjahr verändern

Den Horizont erweitern

30.10.2018

Wer als Schüler ein Auslandsjahr macht, lernt nicht nur neue Menschen, Sprachen und Kulturen kennen, sondern kann auch in eine Identitätskrise fallen. Dabei hat die durchaus etwas Gutes, wie Psychologen herausgefunden haben.

Einfach mal raus

Abitur, das heißt für viele: 12 Jahre in die Schule gehen und jeden Tag die gleiche Bank drücken. Wer da während der Schulzeit einfach mal raus muss, kann das tun. Während eines Auslandsschuljahrs können Jugendliche weit weg von zuhause neue Menschen, eine neue Sprache und eine neue Kultur kennenlernen. Dabei ist klar, dass so eine Erfahrung Spuren hinterlässt. Welche das sind, weiß der Psychologe Prof. Dr. Franz Neyer von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. In einer Studie hat er 741 Schüler befragt, von denen ein Teil ein Auslandsjahr absolviert haben, während die anderen Befragten in Deutschland geblieben sind. Sein Ergebnis:

Wir haben Belege dafür, dass sich die Persönlichkeit und Identität von Schülerinnen und Schülern im Ausland positiv entwickeln. Sie werden extrovertierter, offener und die emotionale Instabilität nimmt ab. – Franz Neyer, Psychologe an der Friedrich-Schiller-Universität

Auslandsjahr verursacht Krise

Dabei geraten Schüler während des Auslandsjahrs häufig in eine waschechte Identitätskrise. Das erleben zwar die wenigsten als angenehm, etwas Gutes hat die Identitätskrise dennoch: Sie festigt den Charakter.

Identitätsentwicklung ist immer mit Krisen verbunden. Doch diese Krisen bringen einen letztendlich weiter, wenn sie dazu führen, dass man das eigene Selbstbild hinterfragt und neu sortiert. – Franz Neyer

Eine Möglichkeit sei dabei der Freundeskreis. Oft hinterfragen die Jugendlichen im Ausland durch diesen nämlich, mit wem sie befreundet sind und warum. Solche Fragen stellen sich laut Franz Neyer die Jugendlichen vor allem dann, wenn sie über längere Zeit Distanz zu den gewohnten Menschen und der gewohnten Umgebung haben.

Das sind gute Fragen, die man sich stellt. Vielleicht empfinden Jugendliche eine bestimmte Fremdheit in Bezug auf ihre Freunde. Da bringt es sie weiter, das kritisch zu hinterfragen. Das sind Krisen, die nicht unbedingt mit Positivem einhergehen, aber eine Horizonterweiterung mit sich bringen. – Franz Neyer

Wie verändert ein Auslandsjahr während der Schulzeit die Persönlichkeit von Jugendlichen? Der Psychologe Franz Neyer hat das untersucht. detektor.fm-Moderator Lars-Hendrik Setz hat mit ihm über seine Forschung gesprochen.

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